Weniger Verkehrstote und Schwerverletzte
Ein 140er-Limit kappt nur die schnellsten Fahrten; das Mittel sinkt um knapp vier statt sieben km/h. Nach demselben Rezept wie bei Tempo 120 und 130 — Mitte aus den beiden Standardmodellen und der für 120 gemessenen Feldschätzung — sind das 14 Prozent weniger Getötete auf den freien Strecken: zentral 28 gerettete Menschenleben im Jahr (Spanne 13 bis 45) und 320 vermiedene Schwerverletzte. Für genau dieses Limit gibt es keinen Versuch; die Zahl ist aus der Geschwindigkeit hergeleitet.
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Wert
Auf dem Spiel stehen Menschenleben und schwere, oft lebensverändernde Verletzungen — Querschnittslähmungen, Schädel-Hirn-Traumata, Monate in Reha. Betroffen ist jeder, der Autobahnen nutzt, auch wer selbst nie schneller als 130 fährt: Bei fast der Hälfte der Getöteten auf Autobahnen war zu schnelles Fahren mindestens eines Beteiligten im Spiel [4]. Anders als beim Zeitverlust ist der Schaden hier nicht teilbar und nicht kompensierbar; die Gesellschaft gewichtet vermiedene Todesfälle deshalb höher als jede Komfortgröße. Der Effekt trifft zudem keine abgrenzbare Randgruppe, sondern verteilt sich als gesenktes Risiko über Millionen Autobahnnutzer. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um Leben und Gesundheit, die höchste Kategorie, die eine Abwägung kennt.
Impact
2024 starben 284 Menschen auf deutschen Autobahnen, 2025 waren es 292 [4][18]. Rund 72 Prozent der Todesfälle ereignen sich auf Strecken ohne Tempolimit [5]; je gefahrenem Kilometer verzeichnen freie Abschnitte etwa 75 Prozent mehr tödliche Unfälle als limitierte [11]. Ohne die Maßnahme setzt sich der langsame Rückgang fort; auf den freien Strecken bleiben rund 200 Getötete, 3.010 Schwer- und 11.810 Leichtverletzte im Jahr, im Verhältnis der Unfallstatistik von 2019 [5]. Mit Tempo 140 sänke das Mittel des Leichtverkehrs dort von 124,1 auf rund 120,4 km/h, aus der gemessenen Verteilung abgeleitet — gut die Hälfte des Rückgangs bei Tempo 130 [2]. Alle drei Tempo-Varianten übersetzen ihren Rückgang nach demselben Rezept: Die beiden Standardmodelle der Verkehrsforschung, Potenz- und Exponentialmodell, ergeben hier 11 und 21 Prozent weniger Getötete, in der Mitte 16 [5]; die kausale Feldschätzung von 2025 fand auf Strecken mit Tempo 120, deren Mittel 12,1 km/h unter dem der freien Strecken liegt, 35 Prozent weniger tödliche Unfälle [17][38], und über das Potenzmodell auf diesen Rückgang übertragen sind das 12 Prozent. Angesetzt ist die Mitte aus Modellmitte und Feldschätzung, 14 Prozent, nach demselben Rezept 10,5 Prozent weniger Schwer- und 5 Prozent weniger Leichtverletzte: zentral 28 vermiedene Todesfälle pro Jahr (Spanne: 13 bis 45), 320 Schwerverletzte (Spanne: 145 bis 480) und 600 Leichtverletzte [4][5][17]. Eine Gegenprobe gibt es nicht: Die Studie hat kein 140er-Limit untersucht, und der österreichische Versuch lief gegen ein 130er-Limit und war zu kurz, um aus seinen Unfallzahlen etwas zu schließen [17][40]. Nach diesem Rezept retten Tempo 120, 130 und 140 zentral 78, 49 und 28 Leben: Der Gewinn wächst mit dem Geschwindigkeitsrückgang von 12,1, 6,8 und 3,7 km/h, aber etwas langsamer als er, weil jeder weitere Kilometer pro Stunde auf einem schon gesenkten Risiko ansetzt. Die Spanne ist bewusst weit: Ein 140er-Limit nimmt gezielt die Fahrten über 160 und 180 aus dem Verkehr, die an tödlichen Unfällen überproportional beteiligt sind, und das Mittel bildet diesen Homogenisierungseffekt nur zum Teil ab — mit diesem Argument hat der frühere Leiter der Unfallforschung der Versicherer 140 bis 150 als Kompromiss vorgeschlagen [42]. Gezählt ist auch das Leid der Angehörigen, ein Zehntel bei Toten und Schwerverletzten [36][37] — in Lebensjahren 2.030 für die Opfer, 190 für die Angehörigen. Der Impact ist klein, aber schwer je Fall: ein bis vier Dutzend Leben im Jahr.
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| Vermiedene Todesfälle 14 % weniger Getötete auf freien Strecken — Mitte aus Modellmitte (16 %) und übertragener Feldschätzung (12 %), Spanne 13–45 [4][5][17][38] | 28 × 35 Jahre | 980 Lebensjahre | |
| + | Vermiedene Schwerverletzte 10,5 % weniger, Spanne 145–480 | 320 × 3 Jahre | 960 Lebensjahre |
| + | Vermiedene Leichtverletzte 5 % weniger | 600 × 0,15 Jahre | 90 Lebensjahre |
| + | Leid der Angehörigen nur bei Toten und Schwerverletzten [36][37] | (980 + 960) × 10 % | 194 Lebensjahre |
| = | Gewonnene Lebensjahre im Jahr | 2.224 Lebensjahre | |
| × | Lebensjahr-Anker | × 40.000 € je Jahr | 89 Mio € |
| ÷ | Normalised Impact Maßstab dieser Seite | 100 Mio € je Punkt | 0,89 |
Plausibilität
Die Richtung ist so gut belegt wie bei jedem Limit: das Feldexperiment der BASt 1975/76 mit Vergleichsstrecken [5], die kausale Auswertung von 2025 für Tempo 120 [17][38], die US-Anhebungen von 55 auf 65 Meilen und die Meta-Analysen über 98 Studien [5]. Was fehlt, ist die Größe für genau dieses Limit: Kein Experiment, keine Vergleichsstrecke und keine Auswertung hat ein 140er-Limit gegen freie Fahrt gemessen. Die Zahl hier kommt aus zwei Modellen und der für 120 gemessenen Feldschätzung, alle drei auf einen selbst abgeleiteten Geschwindigkeitsrückgang angewandt — zwei gerechnete Glieder hintereinander, wo bei Tempo 130 die Geschwindigkeit modelliert und bei Tempo 120 beides gemessen ist. Der österreichische Versuch lief gegen ein 130er-Limit und endete nach anderthalb Jahren; seine Unfallzahlen tragen nichts [40][41]. Unsicher ist auch, in welche Richtung das Modell irrt: Es unterschätzt den Effekt, wenn die Homogenisierung der Spitze mehr bringt, als das Mittel zeigt, und überschätzt ihn, wenn die schnellsten Fahrer sich an 140 so wenig halten wie heute an die Richtgeschwindigkeit. Die Spanne von 13 bis 45 trägt beides. Die Zurechnung steht damit experimentell für die Richtung, für die Größe aber auf einer Modellkette ohne Beobachtung bei 140; die eine Störgröße — Risikokompensation — ist in den Präzedenzfällen geprüft und ohne bilanzdrehenden Effekt geblieben [5], und eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Die Plausibilität ist hoch, eine Stufe unter Tempo 130: Dass ein Limit Leben rettet, ist experimentell belegt — wie viele bei 140, hat niemand gemessen.
Kontrafaktum: die wechselseitig unlimitierten Vergleichsstrecken des BASt-Feldversuchs 1975/76 [5], der ein 130er-Limit prüfte; für 140 gibt es keine beobachtete Vergleichsbedingung. Design: experimentell für die Richtung; die Größe für 140 folgt aus dem Rezept aller drei Varianten — Mitte aus der Mitte von Potenz- und Exponentialmodell und der über das Potenzmodell übertragenen 120er-Feldschätzung [17] — auf einen aus der Verteilung abgeleiteten Rückgang um 3,7 km/h: zwei gerechnete Glieder [2][5]. Störgröße: Risikokompensation, in den Präzedenzfällen geprüft; dazu die Regeltreue der schnellsten Fahrer, in der Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität.