Mehr Beiträge und Steuern
Steigt die Altersgrenze mit der Lebenserwartung, arbeiten im Schnitt der Jahre 2031 bis 2045 grob 101.000 Menschen länger. Was sie selbst davon haben, ist im Wert ihrer verlorenen Ruhestandszeit schon verrechnet. Als Gewinn für die Allgemeinheit bleiben die Steuern und Sozialbeiträge aus ihrer Arbeit, rund 1,4 Mrd € im Jahr.
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Wert
Betroffen sind die öffentlichen Kassen: die Lohnsteuer und die Beiträge zu Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, die aus der zusätzlichen Arbeit an Staat und Sozialversicherungen fließen [3][24]. Es geht nicht um Leben und Gesundheit, sondern um Geld, das der Allgemeinheit zufließt und dort andere Abgaben oder Kürzungen erspart. Solche Ströme zählen mit dem Gewicht, das ein Euro für einen durchschnittlichen Haushalt hat — nicht mehr und nicht weniger. Zugleich stützt der Strom das Fundament des Umlagesystems, aus dem rund 21 Millionen Renten gezahlt werden [17]. Das Nettoeinkommen der länger Beschäftigten ist hier bewusst nicht gezählt. Der Maßstab für ein verlorenes Ruhestandsjahr ist bereits ein Nettowert, und derselbe Verdienst darf nicht auf beiden Seiten stehen. Die Gewinne der Betriebe sind vorsichtshalber ebenfalls nicht mitgerechnet. Der Wert ist mittel: Es sind Budgetströme der Allgemeinheit, keine existenziellen Güter.
Impact
Ohne die Maßnahme bleibt die Regelaltersgrenze ab 2031 bei 67 Jahren, während die fernere Lebenserwartung 65-Jähriger weiter steigt [9][19]. Die Vorausberechnung der Kommission kommt bis 2041 auf etwa sechs Monate Anhebung, der gemessene Trend der letzten zehn Jahre nur auf gut zwei Monate [1][2][9][25]. Angesetzt ist die Mitte: Im Durchschnitt der Jahre 2031 bis 2045 liegt die Grenze 0,24 Jahre höher (Spanne: 0,12 bis 0,35). Wie viele Menschen jedes Jahr in Rente gehen, folgt aus der Größe der Jahrgänge: 2024 waren es 937.000, vor allem aus den Jahrgängen 1958 bis 1960 [8]. Im Zeitraum folgen die Jahrgänge 1965 bis 1980, die nach dem Babyboom deutlich kleiner werden [30]. Gerechnet mit der heutigen Größe jedes Jahrgangs samt Zuwanderung und mit der Sterblichkeit bis 65 sind die Zugänge im Mittel 18 Prozent kleiner als 2024 (Spanne: 14 bis 22) [31][32]. Damit verschiebt sich der Rentenbeginn um rund 184.000 Personenjahre je Jahr, und bei 55 Prozent Übergang in längere Arbeit (Spanne: 35 bis 70) arbeiten rund 101.000 Menschen länger [5][7][8]. Mit der geringeren Arbeitszeit Älterer sind 35.000 € Arbeitnehmerentgelt je Person angesetzt, zusammen rund 3,5 Mrd € im Jahr [16]. Davon zählen nur Lohnsteuer und Sozialbeiträge, für diese meist unterdurchschnittlich verdienenden Älteren 40 Prozent der Arbeitskosten (Spanne: 33 bis 47) [24]. Das ergibt rund 1,4 Mrd € im Jahr für Staat und Sozialkassen (Spanne: 0,7 bis 2,5); das Nettoeinkommen der Beschäftigten steckt im Wert des Ruhestandsjahres der Gegenseite. Der Impact ist mittel: Jahr für Jahr arbeitet eine sechsstellige Zahl von Menschen länger, gezählt ist aber nur der Abgabenanteil ihres Verdienstes.
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Plausibilität
Die Behauptung ist, dass eine höhere gesetzliche Altersgrenze tatsächlich zu längerer Erwerbstätigkeit führt und nicht nur auf dem Papier steht. Getragen wird sie vom Vergleich der Frauen des Jahrgangs 1951, für die die alte Altersgrenze von 60 noch galt, mit den Jahrgängen danach [7]. Das DIW hat 2019 ausgewertet, dass beschäftigte Frauen nach der Anhebung tatsächlich länger im Job blieben [7]. Was den Befund sonst erklären könnte, ist die Arbeitsmarktlage dieser Jahrgänge; der Vergleich unmittelbar vor und nach dem Stichtag hält sie weitgehend konstant. Die Richtung stimmt, weil die Altersgrenze per Gesetz gesetzt wird und nicht nach dem Erwerbsverhalten. Dazu passt die Rente mit 67: Das tatsächliche Renteneintrittsalter stieg von 62,3 auf 64,7 Jahre, die Beschäftigung der 60- bis 64-Jährigen vervielfachte sich [8][11]. Dagegen steht ein belegtes Ausweichen: Nach der Frauenreform blieb rund die Hälfte der nicht beschäftigten Frauen bis zur Rente arbeitslos, in Österreich ähnlich [5][7]. Wie viele länger arbeiten, steht deshalb als Spanne von 35 bis 70 Prozent im Impact, nicht hier. Hier zählt nur, ob überhaupt eine nennenswerte Beschäftigungswirkung eintritt — dieselbe Frage wie bei den verlorenen Ruhestandsjahren. Die Zahl heißt: In etwa zwei von drei vergleichbaren Fällen tritt die Beschäftigungswirkung ein. Die Plausibilität ist eher hoch: Die Wirkung ist an einer echten Reform gemessen, ihre Übertragung auf eine Kopplung bleibt ein Schritt.
Kontrafaktum: Jahrgang 1951 ohne Anhebung der Frauenaltersgrenze. Design: quasi_experimentell — Kohortenvergleich am Stichtag (DIW Wochenbericht 16/2019 [7]); Rente mit 67 [8][11] nur assoziativ, stützend. Störgröße: Arbeitsmarktlage der Jahrgänge. Richtung: keine Umkehrkausalität. Gemeinsamer Träger der Eintrittsgruppe laengere-erwerbsphase (P 6,5, Julian 02.10.2026); die Größe der Reaktion (35–70 %), der Lebenserwartungspfad (0,12–0,35 J.) und die Kohortenfolge (0,78–0,86) stehen in i_spanne, nicht in P.