Leichte Dämpfung des Mietniveaus
Jede zusätzliche Wohnung nimmt Druck vom Markt und bremst die Mieten für alle anderen. Der Bestandseffekt der Maßnahme liegt bei rund 0,05 % — nach der Messung an den deutschen Baufertigstellungen sind das rund 1,4 % niedrigere Angebotsmieten. Weil über zehn Jahre erst ein knappes Drittel der Mietverträge neu geschlossen wird, bleiben davon auf der gezahlten Mietsumme rund 0,46 %: rund 600 Mio € im Jahr, die bei Mieterhaushalten bleiben. Die Gegenseite der Vermieter steht als eigenes Argument.
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Wert
Entlastet würden alle Mieterhaushalte, am stärksten dort, wo neu gebaut wird — überwiegend in angespannten Märkten mit unterdurchschnittlichen Einkommen unter den Mietern. Es geht also um verschobene Wohnkosten, nicht um Gesundheit oder Existenzsicherung. Ein Euro weniger Miete wiegt für einen Haushalt mit knappem Budget aber schwerer als ein Euro im Durchschnittshaushalt: Mieterhaushalte liegen überwiegend in den unteren drei Fünfteln der Einkommen, ihr Euro zählt hier mit 1,4. Die Gegenseite — die Vermieter, die etwas geringere Mieten erzielen — steht als eigenes Gegenargument mit ihrem eigenen Gewicht. Der Wert ist mittel: begrenzte Geldbeträge, deren Gewicht aus der angespannten Lage der Mieterhaushalte kommt.
Impact
Ohne die Regel bleibt der Nachfrageüberhang: Je nach Schätzung fehlen 600.000 bis 800.000 Wohnungen [18], die Angebotsmieten stiegen im vierten Quartal 2025 um 4,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal [21]. Wie stark zusätzliches Angebot dagegen wirkt, ist für Deutschland gemessen: Eine Auswertung aller Baufertigstellungen 2010 bis 2017 gegen die Inserate der drei größten Portale findet, dass ein Bestandszuwachs von 1 % die Angebotsmieten des Folgejahres um 29,8 % senkt (Standardfehler 10,5) [25]; die Quantilsregressionen derselben Arbeit zeigen, dass sich die ganze Mietverteilung verschiebt und nicht nur das teure Segment — dieselbe Richtung, die auch die Sickerketten in zwölf US-Großstädten zeigen [19]. Der Bestandseffekt der Maßnahme ist allerdings klein: rund 21.000 zusätzliche Wohnungen im Mittel des Bewertungszeitraums entsprechen 0,048 % der 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland, also 1,43 % niedrigere Angebotsmieten (Spanne: 0,93 bis 1,93 %). Gemessen sind damit Mieten in Inseraten, gezahlt wird aber auch in laufenden Verträgen: Rund 8 % der Mietverhältnisse enden im Jahr [26], über zehn Jahre sind im Mittel 32 % der Verträge seit Wirkungsbeginn neu geschlossen. Auf die gezahlte Mietsumme wirkt die Dämpfung deshalb nur mit 0,46 %. Die 19,9 Millionen Mieterhaushalte zahlen im Schnitt 8,70 € je Quadratmeter Bruttokaltmiete [22], bei rund 70 Quadratmetern also 145 Mrd € im Jahr; ohne die kalten Betriebskosten sind das rund 130 Mrd € Nettokaltmiete (Spanne: 110 bis 150 Mrd €). 0,46 % davon sind rund 598 Mio € weniger Miete im Jahr, die bei den Mietern bleiben statt an die Vermieter zu gehen. Weil Mieterhaushalte überwiegend in den unteren drei Fünfteln der Einkommen liegen, zählt ihr Euro hier mit 1,4 (Spanne: 1,2 bis 1,6): 837 Mio € im Jahr. Was die Vermieter verlieren, steht mit deren Gewicht als eigenes Gegenargument. Der Impact ist der größte dieser Bilanz: Der Betrag summiert sich über sehr viele Haushalte, pro Haushalt sind es rund 30 € im Jahr.
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Plausibilität
Die Reaktionsstärke ist keine Setzung aus fremden Märkten mehr: Sie ist für Deutschland kausal geschätzt — Regenschocks während der Bauphase verschieben Fertigstellungen zufällig, und die so getrennte Angebotsänderung senkt die Angebotsmieten des Folgejahres messbar [25]. Zwei Dinge bleiben trotzdem offen, und sie tragen die Zahl. Erstens identifiziert diese Schätzung einen temporären Angebotsschock, während hier ein dauerhafter Bestandszuwachs gebucht ist; über zehn Jahre dämpfen Zuzug und die Anpassung des übrigen Neubaus den Effekt, und um wie viel, ist nicht gemessen. Zweitens ist die Kette davor — Genehmigung → Bau → Bestand — für diese Regel in keinem Glied gemessen: 2025 erloschen 35.700 Baugenehmigungen, und 760.700 genehmigte Wohnungen warten auf ihren Baubeginn [7]; bleibt es dabei, bleibt der Mieteffekt aus. Ein Kontrafaktum für die Regel selbst gibt es nicht, die naheliegende Störgröße ist der Zins- und Baukostenpfad, eine umgekehrte Ursache scheidet aus. Der Beleg trägt deshalb die Reaktionsstärke, nicht die Kette: Die Zahl bleibt bei 3, und der Befund der offenen Kette bleibt stehen. Die Zahl sagt: Die Dämpfung tritt in etwa jedem dritten vergleichbaren Fall in der angesetzten Größe ein. Die Plausibilität ist niedrig: Die Reaktion ist gemessen, der Weg dorthin nicht.
Kontrafaktum: Mietniveau ohne die 21.000 zusätzlichen Wohnungen — nicht beobachtbar, gerechnet über die gemessene Reaktion der Angebotsmieten. Design: Die Reaktionsstärke selbst ist quasi-experimentell identifiziert (Regenschocks in der Bauphase als Instrument für verzögerte Fertigstellungen, Kleibergen-Paap F 16,1) [25]; die Kette Genehmigung → Bau → Bestand ist für diese Regel dagegen nur mechanistisch, und die Stufe der Karte richtet sich nach dem schwächsten Glied. Störgröße: Zins- und Baukostenpfad, der Neubau unabhängig von der Regel bewegt; nur in der Spanne behandelt. Richtung: keine Umkehrkausalität — Mieten lösen die Regel nicht aus. Offen bleibt zudem, dass die Schätzung einen temporären Angebotsschock trennt, hier aber ein dauerhafter Bestandszuwachs gebucht ist.
Belegleiter: Die Reaktionsstärke ist für Deutschland gemessen [25], die Kette davor — Genehmigung → Bau → Bestand — in keinem Glied, und der gemessene Schock ist temporär, der gebuchte Zuwachs dauerhaft. Rückleseprobe: Die Dämpfung tritt in etwa jedem dritten vergleichbaren Fall in der angesetzten Größe ein.
Offen: Fertigstellungen aus § 246e-Genehmigungen in der Baustatistik ab 2028 würden das Glied Genehmigung → Bau schließen und P auf rund 4,5 heben; eine Schätzung für einen dauerhaften statt temporären Bestandszuwachs — etwa aus Städten mit anhaltend unterschiedlicher Bautätigkeit — auf 5,5.