Was eine neue Regel kostet, steht vorher auf dem Tisch
Berlin misst bisher nicht, was seine eigenen Regelungen kosten; Bund, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen haben einen Normenkontrollrat. Angesetzt ist, dass geprüfte neue Landesregelungen 5 % weniger Aufwand tragen — 1,7 Punkte, die größte Karte dieser Seite. Ausgerechnet die Erfahrung, die gegen die Bremse spricht, stützt diesen Teil: Der Wert liege „eher in der Transparenz als in der Kontrolle".
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Wert
Der Strom betrifft die Qualität der Rechtsetzung — also wie gut der Gesetzgeber weiß, was seine Entscheidungen kosten. Das wirkt breit, aber mittelbar; unmittelbare Schutzgüter sind nicht berührt. Der Wert ist mittel bis hoch: Rechtsetzungsqualität als Systemgut.
Impact
Berlin misst bisher nicht, was seine eigenen Regelungen die Betroffenen kosten; Normenkontrollräte gibt es auf Bundesebene sowie in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen [5], einen Bürokratiekostenindex für Landesrecht hat Berlin ebenfalls nicht — der Vorschlag würde beides einführen [1]. Bezugsgröße ist die Untersuchung des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen: Eine Halbierung des bürokratischen Aufwands in Berlin entspräche rund 1 Mrd. € zusätzlicher Wertschöpfung und rund 3.000 Arbeitsplätzen [4], der gesamte beeinflussbare Aufwand also rund 2 Mrd. € im Jahr. Davon erreicht Landesrecht nur einen Teil: Bauordnung, Landesvergabe, Gaststätten-, Denkmal-, Kita- und Schulrecht sind Landessache, Steuer-, Sozial-, Arbeits- und Datenschutzrecht kommen von Bund und EU — allein aus Bundesrecht entstehen 64 Mrd. € Bürokratiekosten im Jahr [3]. Angesetzt sind 20 % (Spanne 10–35 %), also rund 400 Mio. €. Neue Landesregelungen kommen jedes Jahr mit rund 3 % dieses Bestands hinzu (Spanne 2–5 %; der Bund legte seit 2011 netto rund 2 % im Jahr zu [3]), also rund 12 Mio. € je Jahrgang. Angesetzt ist, dass eine Prüfung der Kostenfolgen vor der Entscheidung den Aufwand eines Jahrgangs um 5 % senkt (Spanne 2–8 %) — in Baden-Württemberg entlastete allein die geprüfte Novelle der Landesbauordnung die Wirtschaft um rund 62 Mio. € im Jahr [8] —, also 0,6 Mio. € je Jahrgang. Weil der Rat ab 2027 arbeitet und jeder geprüfte Jahrgang weiterwirkt, zählen im Mittel der zehn Jahre 5,5 Jahrgänge: rund 3,3 Mio. € im Jahr, 1,7 Punkte auf dem Maßstab dieser Seite. Der Impact ist sehr klein und der größte Posten der Vorschlagsseite.
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Plausibilität
Das ist der Teil des Vorschlags, den die Erfahrung stützt — und zwar ausgerechnet die Erfahrung, die gegen den Rest spricht. Der britische Regulatory Policy Committee kommt nach der Auswertung des eigenen Regelwerks zu dem Schluss, der Wert solcher Rahmen liege „eher in der Transparenz als in der Kontrolle“: Minister sollten zeigen können, dass ihre Entscheidungen vollständig evidenzgestützt sind [2]. Vier Verwaltungen in Deutschland unterhalten bereits einen Normenkontrollrat [5]; Baden-Württemberg berichtet nach zwei Jahren von einem „Kulturwandel hin zu mehr Kostenbewusstsein“ und von Landesrecht, das die Wirtschaft 2019 um 58 Mio. € entlastete [8][9]. Kontrafaktum ist keines: Beide Berichte sind Selbstauswertungen ohne Vergleich zu einem Land ohne Rat, das Design ist assoziativ, die Störgröße ist der Entlastungswille einer Regierung, die Rat und Entlastung zugleich hervorbringt, und die Richtung läuft in die Behandlung hinein — wer entlasten will, richtet den Rat ein. Die Methodik zur Schätzung des Erfüllungsaufwands ist erprobt, Berlin könnte sie übernehmen statt entwickeln. Dass geprüfte Regelungen tatsächlich aufwandsärmer ausfallen, trifft nach dieser Beleglage in etwa jedem zweiten vergleichbaren Fall zu; wie stark, ist für kein Land gemessen und steht als Spanne in der Menge. Die Plausibilität ist mittel: erprobtes Instrument, Selbstauswertungen als einzige Belege.
Kontrafaktum: keines — die Berichte des britischen Regulatory Policy Committee [2] und des Normenkontrollrats Baden-Württemberg [8][9] sind Selbstauswertungen der Einrichtungen ohne Vergleichspfad ohne Rat. Design: assoziativ — Vorher-Nachher-Beobachtung der beteiligten Gremien, kein Vergleichsland. Störgröße: politischer Entlastungswille, der Rat und aufwandsärmere Novellen zugleich hervorbringt; nicht behandelt. Richtung: Selektion in die Behandlung — Landesregierungen, die entlasten wollen, richten den Rat ein. Doppelbuchung geprüft: die Spanne 2–8 % trägt die Größe je Jahrgang, P allein die Frage, ob die Prüfung die Ausgestaltung überhaupt verändert; der Stufen-Deckel 5,5 liegt unter dem Präzedenz-Deckel und bindet.