Qualifikation und Berufseinstieg für gering qualifizierte Dienstleistende
Für junge Männer ohne Schulabschluss kann der Dienst als Qualifizierung wirken — mit Ausbildung, Arbeitszeugnis und einem Führerscheinzuschuss von bis zu 5.000 €. Belegt ist der Effekt in Portugal, wo Männer mit nur Primarschulbildung nach dem Dienst 4 bis 5 % mehr verdienten: für rund 3.500 Menschen im Jahr — 2.000 zusätzliche Freiwillige und 1.500 Ausgeloste ohne Abschluss — je 40.000 € über das Erwerbsleben. Die deutsche Studie findet ihn nach sauberer Selektionskorrektur nicht, die schwedische findet für dieselbe Gruppe das Gegenteil — und wer sich qualifizieren will, kann sich schon heute freiwillig verpflichten.
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Wert
Begünstigt wären junge Männer am unteren Rand des Arbeitsmarkts: ohne Abschluss, mit Hauptschulabschluss, mit abgebrochener Ausbildung. Für sie geht es um Geld, das über Jahrzehnte wirkt — mehrere zehntausend Euro über das Erwerbsleben. Ein Euro wiegt bei ihnen schwerer als beim Durchschnittshaushalt, weil ihr Einkommen niedriger ist. Es geht aber um Einkommen, nicht um Existenzsicherung im engeren Sinn: Niemand wird durch den Dienst vor Armut bewahrt, und niemand verliert ohne ihn seine Lebensgrundlage. Der Wert ist mittel: spürbare Geldbeträge für eine einkommensschwache Gruppe, ohne existenzielle Dimension.
Impact
Der Dienst dauert sechs bis zwölf Monate und enthält eine strukturierte Ausbildung. Wer sich für mindestens zwölf Monate verpflichtet, erhält bis zu 3.500 € Zuschuss für den Pkw- und bis zu 5.000 € für den Lkw-Führerschein [3]. Für einen Teil der Dienstleistenden ist das mehr wert als der Sold: Ein Lkw-Führerschein öffnet einen Beruf, ein strukturiertes Jahr überbrückt einen holprigen Übergang von der Schule in die Arbeit. Entscheidend ist aber, wer diesen Gewinn ohne die Maßnahme nicht hätte. Bei der Bundeswehr arbeiten kann man auch heute schon — der freiwillige Wehrdienst existiert. Und der Führerscheinzuschuss setzt eine freiwillige Verpflichtung von mindestens zwölf Monaten voraus: Ein für sechs Monate ausgeloster Wehrpflichtiger bekommt ihn gar nicht [3]. Übrig bleiben die gering Qualifizierten unter jenen, die erst der höhere Sold in den Dienst zieht — angesetzt rund 2.000 Menschen pro Jahr (Spanne: 0 bis 5.000) — und, wird die Wehrpflicht ausgelöst, die gering Qualifizierten unter den Ausgelosten: rund 15 % von im Erwartungswert 10.000 Menschen im Jahr, also 1.500; für sie steht der Verlust im Lohnargument der Gegenseite nicht, weil ihr Gewinn hier steht. Zusammen rund 3.500 Menschen pro Jahr. Die Studienlage stützt genau diese schmale Gruppe: Card und Cardoso werteten die portugiesische Wehrpflicht aus und fanden 4 bis 5 Prozentpunkte höhere Löhne für Männer mit nur Primarschulbildung — und keinen Effekt für alle anderen [10]. Bei einem Lebenseinkommen dieser Gruppe von grob 1,0 Mio € entspricht das rund 40.000 € über das Erwerbsleben (Spanne: 10.000 bis 80.000 €), zugerechnet dem Jahrgang, der den Dienst antritt: 140 Mio € im Jahr, auf der Karte 1,4 — knapp drei Viertel des Abschreckungsnutzens. Dass die Begünstigten wenig verdienen, steht im Gewicht des Arguments und nicht ein zweites Mal in der Zahl: Gewonnene wie entgangene Arbeitsleistung zählt zum Nennwert. Ob der Gewinn in Deutschland überhaupt eintritt, steht nicht in dieser Zahl, sondern in der Plausibilität. Der Impact ist klein: eine schmale Gruppe, und der Weg zu ihrem Gewinn steht auch ohne Pflichtelement offen.
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Plausibilität
Die einschlägigen Studien widersprechen sich — und die beiden, die Deutschland am nächsten kommen, finden nichts oder das Gegenteil. Card und Cardoso finden für Portugal einen klaren Gewinn bei gering Gebildeten [10]. Bauer, Bender, Paloyo und Schmidt nutzen für Deutschland die Stichtagsregelung der Musterung als natürliches Experiment und finden: Der scheinbare Lohnvorteil Gedienter verschwindet vollständig, sobald man herausrechnet, dass die Bundeswehr ohnehin die Tauglicheren nahm [11]. Hubers und Webbink messen für die Niederlande 3 bis 4 % niedrigere Löhne noch 18 Jahre nach dem Dienst [9]. Hjalmarsson und Lindquist finden für Schweden — Friedensdienst, moderne Jahrgänge — sogar für die benachteiligten Dienstleistenden signifikant niedrigere Einkommen und mehr Transferbezug [16]; das ist genau die Gruppe, für die der portugiesische Befund einen Gewinn ausweist. Der portugiesische Befund selbst stammt aus den 1980er-Jahren und aus einem Land, in dem viele Männer nur vier Jahre Schule hatten. Das Kontrafaktum der tragenden Studie sind nicht gediente Männer desselben Jahrgangs 1967; das Design ist kontrolliert — Card und Cardoso vergleichen Löhne vor und nach dem Dienst gegen Nichtgediente mit bekannten Vor-Dienst-Löhnen, ohne Losverfahren; die eine Störgröße ist die Auswahl der Tauglicheren durch die Armee, die in Deutschland den ganzen Effekt erklärt [11]; eine Umkehrkausalität — dass Verdienstaussichten den Dienst auslösen — ist über die Vor-Dienst-Löhne abgefangen. Der enge Zwilling der Maßnahme, die deutsche Wehrpflicht, lief bereits, und der Gewinn blieb dort aus: Dass er unter dem neuen Wehrdienst eintritt, trifft in etwa einem von fünf vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist sehr niedrig: Ein starker Befund für eine schmale Gruppe, aber aus einem Land und einer Zeit, die mit Deutschland heute wenig zu tun haben — und die beiden kontextnächsten Studien finden ihn nicht.
Kontrafaktum: nicht gediente Männer des Jahrgangs 1967 (Card/Cardoso). Design: kontrolliert — Vorher/Nachher-Vergleich mit Vor-Dienst-Löhnen als Fähigkeitskontrolle, keine exogene Zuweisung. Störgröße: Tauglichkeitsauswahl der Armee; in Deutschland erklärt sie den ganzen Effekt (Bauer et al., Stichtags-RDD). Richtung: über Vor-Dienst-Löhne abgefangen. Deckel: min(studie 9; bisher 3; kontrolliert 7) = 3.
Enger Zwilling gelaufen: deutsche Wehrpflicht, Bauer et al. finden nach Selektionskorrektur keinen Lohnvorteil [11]; Schweden findet für dieselbe Gruppe das Gegenteil [16]. Gleicher Ergebnisbegriff: Lohn nach dem Dienst. Rückleseprobe: trifft in etwa einem von fünf Fällen zu.
Offen: Eine deutsche Auswertung des Neuen Wehrdienstes mit Losverfahren als Zufallszuweisung, die für gering Qualifizierte einen Lohngewinn zeigt, würde P bis an den Deckel von 3 heben; der Deckel selbst hinge dann an der Übertragbarkeit auf die Jahrgänge ab 2008.