Neuer Wehrdienst

Alle jungen Männer werden gemustert, der Dienst bleibt zunächst freiwillig — und wenn zu wenige kommen, kann der Bundestag eine Wehrpflicht auslösen, bei der das Los entscheidet.

Seit dem 1. Januar 2026 erhalten alle jungen Deutschen ab Jahrgang 2008 einen Fragebogen zu Eignung und Bereitschaft; für Männer ist das Ausfüllen Pflicht, für Frauen freiwillig [1]. Für Männer kommt die Musterung hinzu — der Gesetzentwurf rechnet mit rund 300.000 Wehrpflichtigen pro Jahrgang [2]. Der Dienst selbst bleibt freiwillig und wird mit mindestens 2.600 € brutto im Monat sowie einem Führerscheinzuschuss von bis zu 5.000 € vergütet [1][3]. Der Aufwuchspfad auf 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten bis 2035 steht im Gesetz; wird er verfehlt, kann der Bundestag eine Bedarfswehrpflicht auslösen, bei der ein Zufallsverfahren über die Einberufung entscheidet [3]. Bewertet wird die Wirkung über zehn Jahre, 2026 bis 2035 — den Zeitraum, für den der Aufwuchspfad gilt.

Bilanz

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,09 alter Maßstab

Bilanz nach altem Maßstab. Für diese Bewertung liegt die Simulation der Bilanz 2.0 noch nicht vor. Die Kategorie kommt aus dem Anteil der Debatte auf der Pro-Seite (r).

Pro 2,5 · 9 % Contra 26 · 91 %
Größenklasse: klein Maßstab dieser Bewertung: Normalised Impact — einheitslos, auf dieses Thema kalibriert. Zum Vergleich: 1 Punkt entspricht hier rund 100 Mio. € pro Jahr. Woran diese Bewertung hängt: An zwei Setzungen. Die erste ist der Anteil, den die Truppenstärke an der Abschreckung hat — 1,6 Prozent bei einer Invasion, 0,4 Prozent bei einem begrenzten Angriff, für die Verbündeten die Hälfte —, zusammen mit dem, was ein Krieg an Wirtschaftsleistung kostet: Das ist über 95 Prozent des Nutzens. Selbst mit einem fünfmal größeren Anteil (8 Prozent bei einer Invasion) stünde die Bilanz nur bei rund 0,21, die Maßnahme wäre schlechter, nicht mehr deutlich schlechter. Die zweite ist, wie viel der Euro der jungen Dienstleistenden zählt, denn der größte Teil der Bundesausgaben ist Sold, der bei ihnen ankommt: Zählt ihr Euro wie der des Bundes, wächst die Last der öffentlichen Kosten auf rund 550 Mio € und die Bilanz sinkt auf rund 0,07; zählt er mit 2, kippt der Kostenposten ins Positive und die Bilanz steigt auf rund 0,27. Dahinter steht eine gemeinsame Menge — rund 20.000 zusätzliche Dienstjahre im Jahr, davon 7.500 ausgelost, bei neun Monaten Pflichtdienst rund 10.000 Menschen —, an der die meisten Gegenargumente hängen; ob der Bundestag die Wehrpflicht auslöst, ist darin mit 50 % enthalten und bewegt Nutzen und Lasten in dieselbe Richtung. Wie wir bewerten →

Pro-Argumente

Contra-Argumente

12 Argumente bewertet · Scoring v1.3 Δ absolut −23,5

Argumente — Pro

5 Argumente · Top 3 angezeigt

Qualifikation und Berufseinstieg für gering qualifizierte Dienstleistende

1,4von 100

Für junge Männer ohne Schulabschluss kann der Dienst als Qualifizierung wirken — mit Ausbildung, Arbeitszeugnis und einem Führerscheinzuschuss von bis zu 5.000 €. Belegt ist der Effekt in Portugal, wo Männer mit nur Primarschulbildung nach dem Dienst 4 bis 5 % mehr verdienten: für rund 3.500 Menschen im Jahr — 2.000 zusätzliche Freiwillige und 1.500 Ausgeloste ohne Abschluss — je 40.000 € über das Erwerbsleben. Die deutsche Studie findet ihn nach sauberer Selektionskorrektur nicht, die schwedische findet für dieselbe Gruppe das Gegenteil — und wer sich qualifizieren will, kann sich schon heute freiwillig verpflichten.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 1,4Plausibilität 2
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Wert

Begünstigt wären junge Männer am unteren Rand des Arbeitsmarkts: ohne Abschluss, mit Hauptschulabschluss, mit abgebrochener Ausbildung. Für sie geht es um Geld, das über Jahrzehnte wirkt — mehrere zehntausend Euro über das Erwerbsleben. Ein Euro wiegt bei ihnen schwerer als beim Durchschnittshaushalt, weil ihr Einkommen niedriger ist. Es geht aber um Einkommen, nicht um Existenzsicherung im engeren Sinn: Niemand wird durch den Dienst vor Armut bewahrt, und niemand verliert ohne ihn seine Lebensgrundlage. Der Wert ist mittel: spürbare Geldbeträge für eine einkommensschwache Gruppe, ohne existenzielle Dimension.

Impact

Der Dienst dauert sechs bis zwölf Monate und enthält eine strukturierte Ausbildung. Wer sich für mindestens zwölf Monate verpflichtet, erhält bis zu 3.500 € Zuschuss für den Pkw- und bis zu 5.000 € für den Lkw-Führerschein [3]. Für einen Teil der Dienstleistenden ist das mehr wert als der Sold: Ein Lkw-Führerschein öffnet einen Beruf, ein strukturiertes Jahr überbrückt einen holprigen Übergang von der Schule in die Arbeit. Entscheidend ist aber, wer diesen Gewinn ohne die Maßnahme nicht hätte. Bei der Bundeswehr arbeiten kann man auch heute schon — der freiwillige Wehrdienst existiert. Und der Führerscheinzuschuss setzt eine freiwillige Verpflichtung von mindestens zwölf Monaten voraus: Ein für sechs Monate ausgeloster Wehrpflichtiger bekommt ihn gar nicht [3]. Übrig bleiben die gering Qualifizierten unter jenen, die erst der höhere Sold in den Dienst zieht — angesetzt rund 2.000 Menschen pro Jahr (Spanne: 0 bis 5.000) — und, wird die Wehrpflicht ausgelöst, die gering Qualifizierten unter den Ausgelosten: rund 15 % von im Erwartungswert 10.000 Menschen im Jahr, also 1.500; für sie steht der Verlust im Lohnargument der Gegenseite nicht, weil ihr Gewinn hier steht. Zusammen rund 3.500 Menschen pro Jahr. Die Studienlage stützt genau diese schmale Gruppe: Card und Cardoso werteten die portugiesische Wehrpflicht aus und fanden 4 bis 5 Prozentpunkte höhere Löhne für Männer mit nur Primarschulbildung — und keinen Effekt für alle anderen [10]. Bei einem Lebenseinkommen dieser Gruppe von grob 1,0 Mio € entspricht das rund 40.000 € über das Erwerbsleben (Spanne: 10.000 bis 80.000 €), zugerechnet dem Jahrgang, der den Dienst antritt: 140 Mio € im Jahr, auf der Karte 1,4 — knapp drei Viertel des Abschreckungsnutzens. Dass die Begünstigten wenig verdienen, steht im Gewicht des Arguments und nicht ein zweites Mal in der Zahl: Gewonnene wie entgangene Arbeitsleistung zählt zum Nennwert. Ob der Gewinn in Deutschland überhaupt eintritt, steht nicht in dieser Zahl, sondern in der Plausibilität. Der Impact ist klein: eine schmale Gruppe, und der Weg zu ihrem Gewinn steht auch ohne Pflichtelement offen.

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3.500 Personen je Jahr
Gering qualifizierte Dienstleistende je Jahr
[3]
× 4 % von 1,0 Mio € Lebenseinkommen = 40.000 € je Person Card/Cardoso: 4–5 Prozentpunkte für Männer mit Primarschulbildung; Spanne 10.000–80.000 €; Arbeitsleistung zum Nennwert, kein Einkommensgewicht
140 Mio €
Lebenseinkommensgewinn, dem Jahrgang des Dienstantritts zugerechnet
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
1,4
Normalised Impact
Score 1,4 Impact × 5 Wert × 2 Plausibilität ÷ 10 = 1,4 von 100

Plausibilität

Die einschlägigen Studien widersprechen sich — und die beiden, die Deutschland am nächsten kommen, finden nichts oder das Gegenteil. Card und Cardoso finden für Portugal einen klaren Gewinn bei gering Gebildeten [10]. Bauer, Bender, Paloyo und Schmidt nutzen für Deutschland die Stichtagsregelung der Musterung als natürliches Experiment und finden: Der scheinbare Lohnvorteil Gedienter verschwindet vollständig, sobald man herausrechnet, dass die Bundeswehr ohnehin die Tauglicheren nahm [11]. Hubers und Webbink messen für die Niederlande 3 bis 4 % niedrigere Löhne noch 18 Jahre nach dem Dienst [9]. Hjalmarsson und Lindquist finden für Schweden — Friedensdienst, moderne Jahrgänge — sogar für die benachteiligten Dienstleistenden signifikant niedrigere Einkommen und mehr Transferbezug [16]; das ist genau die Gruppe, für die der portugiesische Befund einen Gewinn ausweist. Der portugiesische Befund selbst stammt aus den 1980er-Jahren und aus einem Land, in dem viele Männer nur vier Jahre Schule hatten. Das Kontrafaktum der tragenden Studie sind nicht gediente Männer desselben Jahrgangs 1967; das Design ist kontrolliert — Card und Cardoso vergleichen Löhne vor und nach dem Dienst gegen Nichtgediente mit bekannten Vor-Dienst-Löhnen, ohne Losverfahren; die eine Störgröße ist die Auswahl der Tauglicheren durch die Armee, die in Deutschland den ganzen Effekt erklärt [11]; eine Umkehrkausalität — dass Verdienstaussichten den Dienst auslösen — ist über die Vor-Dienst-Löhne abgefangen. Der enge Zwilling der Maßnahme, die deutsche Wehrpflicht, lief bereits, und der Gewinn blieb dort aus: Dass er unter dem neuen Wehrdienst eintritt, trifft in etwa einem von fünf vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist sehr niedrig: Ein starker Befund für eine schmale Gruppe, aber aus einem Land und einer Zeit, die mit Deutschland heute wenig zu tun haben — und die beiden kontextnächsten Studien finden ihn nicht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 3 identifikation: Kontrolliert · Stufen-Deckel 7 befundband: Ausgebliebener Effekt · P 1,5–2

Kontrafaktum: nicht gediente Männer des Jahrgangs 1967 (Card/Cardoso). Design: kontrolliert — Vorher/Nachher-Vergleich mit Vor-Dienst-Löhnen als Fähigkeitskontrolle, keine exogene Zuweisung. Störgröße: Tauglichkeitsauswahl der Armee; in Deutschland erklärt sie den ganzen Effekt (Bauer et al., Stichtags-RDD). Richtung: über Vor-Dienst-Löhne abgefangen. Deckel: min(studie 9; bisher 3; kontrolliert 7) = 3.

Enger Zwilling gelaufen: deutsche Wehrpflicht, Bauer et al. finden nach Selektionskorrektur keinen Lohnvorteil [11]; Schweden findet für dieselbe Gruppe das Gegenteil [16]. Gleicher Ergebnisbegriff: Lohn nach dem Dienst. Rückleseprobe: trifft in etwa einem von fünf Fällen zu.

Offen: Eine deutsche Auswertung des Neuen Wehrdienstes mit Losverfahren als Zufallszuweisung, die für gering Qualifizierte einen Lohngewinn zeigt, würde P bis an den Deckel von 3 heben; der Deckel selbst hinge dann an der Übertragbarkeit auf die Jahrgänge ab 2008.

Abschreckung schützt Wirtschaft und Sachwerte

0,8von 100

Ohne das Gesetz wächst die Bundeswehr um rund 3.600 Soldaten im Jahr und verfehlt ihre Zielstärke von 260.000 deutlich; zudem weiß sie seit 2011 nicht mehr, wer im Ernstfall verfügbar wäre. Musterung, Aufwuchspfad und die Rückfalloption Wehrpflicht sollen beides ändern und so einen Angriff unwahrscheinlicher machen. Dieses Argument zählt, was ein abgewendeter Krieg Deutschland an Wirtschaftsleistung und Sachwerten erspart — ein großer Schaden, der unwahrscheinlich ist und von dem der Wehrdienst nur einen kleinen Teil abwenden kann.

Wert 5 · Wohlstand & ProduktionImpact 0,4Plausibilität 4
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Wert

Es geht um Wirtschaftsleistung und Sachwerte, die ein Krieg in Deutschland zerstören würde: Einkommen, Arbeitsplätze, Häuser, Straßen, Netze. Das ist Geld, nicht Leben — Tote und Verletzte stehen mit dem höchsten Gewicht dieser Seite in einem eigenen Argument, damit sie nicht in einem Mischwert untergehen. Der Nutzen verteilt sich auf alle: Wer geschützt wird, muss dafür nichts tun und weiß nie, ob er geschützt wurde. Getragen wird die Last dagegen von wenigen, den Herangezogenen und den Steuerzahlern. Der Wert ist mittel: Wirtschaftsleistung und Sachschaden, gezählt zum Nennwert.

Impact

Ende Mai 2026 dienten 185.608 Soldatinnen und Soldaten, rund 3.600 mehr als ein Jahr zuvor [4]. Das Gesetz schreibt einen Aufwuchs auf 260.000 aktive Soldaten und mindestens 200.000 Reservisten bis 2035 fest [1][3]. Setzt sich das Tempo des vergangenen Jahres fort, stünden 2035 rund 220.000 Aktive bereit — die Zielmarke wäre um rund 40.000 verfehlt. Genau diese Lücke soll die Maßnahme schließen, und zwar über die Wehrpflicht, die der Bundestag dafür auslösen muss. Hinzu kommt ein zweiter Kanal: Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sind die Strukturen der Wehrerfassung weggefallen; im Spannungs- oder Verteidigungsfall ist unbekannt, wer verfügbar und tauglich ist [2]. Fragebogen und Musterung stellen diese Kenntnis für rund 300.000 Männer pro Jahrgang wieder her [2]. Der Nutzen liegt nicht in den Soldaten selbst, sondern in dem, was sie verhindern sollen. Gerechnet ist ein Erwartungswert über zwei Ereignisse, beide mit gesetzter Wahrscheinlichkeit: ein begrenzter Angriff mit deutscher Beteiligung, 20 Prozent in zehn Jahren (Spanne 5 bis 40) — der dänische Nachrichtendienst nennt das Risiko gering, aber wachsend [23] —, und eine Invasion eines NATO-Landes mit vollem Bündnisfall, 5 Prozent (Spanne 2 bis 12), nach derselben Quelle höchst unwahrscheinlich [23]. Dieses Argument zählt nur, was ein solcher Krieg Deutschland an Wirtschaftsleistung und Sachwerten kostet; Tote und Verletzte stehen im Argument danach, der Schaden bei den Verbündeten unter der Bündnisbereitschaft. Ein Nachbarland eines Kriegsschauplatzes verliert nach der langen Reihe des Kiel Instituts rund ein Zehntel seiner Wirtschaftsleistung über fünf Jahre [24] — für Deutschland bei einer Invasion rund 450 Milliarden Euro (gesetzt, Spanne 2 bis 30 Prozent), dazu rund 17 Milliarden Euro Sachschaden, gerechnet mit der Schadensrate, die die Weltbank für die Ukraine ermittelt hat [25]; bei einem begrenzten Angriff zusammen rund 14 Milliarden. Dem Wehrdienst ist davon ein kleiner Anteil zugerechnet: 1,6 Prozent bei der Invasion (Spanne 0,2 bis 8), 0,4 Prozent beim begrenzten Angriff — gesetzt, denn wie stark einige zehntausend zusätzliche Soldaten einen Angriff unwahrscheinlicher machen, hat niemand gemessen; 40.000 Soldaten sind gut ein Prozent der NATO-Streitkräfte. Auf der Karte sind das rund 0,39 Punkte. Die frühere Fassung setzte 2.000 Milliarden Euro Schaden an und verglich mit dem Wiederaufbaubedarf der Ukraine; der enthält Verbesserungen und Teuerung, der gemessene Sachschaden liegt bei 195 Milliarden US-Dollar [25]. Der Impact ist klein: ein großer, aber unwahrscheinlicher Schaden, von dem der Wehrdienst nur einen kleinen Teil abwenden kann.

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470 Mrd €
Schaden in Deutschland bei einer Invasion mit Bündnisfall
× 5 % in zehn Jahren ÷ 10 Setzung, Spanne 2–12 %: „höchst unwahrscheinlich“ (dänischer Nachrichtendienst: unter 10 %)
2,35 Mrd €/Jahr
Wahrscheinlichkeit je Jahr
× 1,6 % Setzung, Spanne 0,2–8 %: kein gemessener Beitrag der Truppenstärke; Engpass Personal laut Kiel Institut
37,6 Mio €/Jahr
Anteil des Wehrdiensts an der Abwendung
+ 14,1 Mrd € × 20 % in zehn Jahren ÷ 10 × 0,4 % Setzung: Wahrscheinlichkeit 5–40 %, Anteil 0,2–1,5 %; „geringes, aber wachsendes Risiko“
38,7 Mio €/Jahr
begrenzter Angriff mit deutscher Beteiligung
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,39
Normalised Impact
Score 0,39 Impact × 5 Wert × 4 Plausibilität ÷ 10 = 0,8 von 100

Plausibilität

Hier liegt die Schwachstelle des Arguments. Dass mehr Soldaten die Verteidigungsfähigkeit erhöhen, ist unstrittig. Dass sie einen Krieg unwahrscheinlicher machen, ist nicht gemessen und lässt sich auch nicht messen: Es gibt keine Vergleichsgruppe von Ländern, die man mit und ohne Wehrpflicht in denselben Konflikt schicken könnte. Vorbilder existieren — Schweden führte 2017 eine Auswahlwehrpflicht ein, Litauen und Kroatien folgten, Frankreich hat Schritte angekündigt [1]. Ob sie wirken, ist unbekannt. Umstritten ist überdies die Zielzahl selbst. In der Anhörung des Verteidigungsausschusses hielten der Militärhistoriker Sönke Neitzel und der Vorsitzende des BundeswehrVerbands, André Wüstner, 260.000 Aktive für zu wenig und warfen dem Ministerium vor, eine schlüssige Ableitung dieser Zahl schuldig geblieben zu sein [1]. Die Linke bestreitet die sicherheitspolitische Notwendigkeit ganz und verweist auf die NATO-Gesamtstärke von über drei Millionen Soldaten [1]. Ob die Wehrpflicht überhaupt ausgelöst wird, steckt bereits in der Größe des Arguments und wird hier nicht ein zweites Mal abgezogen. Den Einwand, moderne Abschreckung hänge an Material und nicht an Menschen, teilt das Kiel Institut nicht — es nennt das Personal als Engpass [29]; die Planspiele zur Ostflanke zeigen aber auch, dass Abschreckung an Schwellen hängt, an genug Kräften zur richtigen Zeit, nicht an jedem einzelnen Soldaten [33]. Das Kontrafaktum ist der Aufwuchs im bisherigen Tempo, rund 220.000 Aktive im Jahr 2035; das Design ist mechanistisch — eine Abschreckungskette, für die keine Studie den Beitrag der Truppenstärke gemessen hat; die eine Störgröße ist, ob zusätzliche Köpfe ohne Material und Ausbildung überhaupt einsatzfähig werden; sie ist in der Setzung des Anteils verrechnet; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Die Kette ist geschlossen, die Gegenmechanismen sind benannt, nur der Beleg fehlt: Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: Der Mechanismus ist nachvollziehbar und hat reale Vorbilder — mehr als mittel ist bei einer Wirkung, die niemand je gemessen hat, aber nicht zu erreichen.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6 befundband: Kette geschlossen, unbelegt · P 4–5

Kontrafaktum: Aufwuchs im bisherigen Tempo (rund 220.000 Aktive 2035). Design: mechanistisch — Abschreckungskette Kopfzahl → Verteidigungsfähigkeit → Angriffswahrscheinlichkeit, ohne Trägerstudie. Störgröße: Einsatzfähigkeit zusätzlicher Köpfe ohne Material und Ausbildung — in der Setzung des Anteils (Invasion 1,6 %, Spanne 0,2–8 %; begrenzter Angriff 0,4 %, Spanne 0,2–1,5 %) verrechnet. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(projektion 6; mechanistisch 6; bisher 5) = 5. Erwartungswert-Argument über zwei Ereignisse: I trägt Rate × Schaden × Anteil, P beurteilt die Rechnung.

Kette geschlossen (Kopfzahl → Verteidigungsfähigkeit → Angriffswahrscheinlichkeit), Gegenmechanismen benannt (Materialengpass, Schwellenlogik der Abschreckung [33]); es fehlt der Beleg, wie stark zusätzliche Soldaten einen Angriff unwahrscheinlicher machen. Rückleseprobe: Die Rechnung trägt in ihrer Größenordnung in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen.

Offen: Eine Studie, die den Beitrag der Truppenstärke zur Abschreckung an historischen Fällen isoliert, würde P bis an den Deckel von 5 heben; eine Aufwertung darüber hinaus bräuchte eine belegte Wirkung an einem vergleichbaren Fall.

Bündnisbereitschaft schützt die Wirtschaft der Verbündeten

0,3von 100

Ein Krieg an der Ostflanke würde vor allem die Wirtschaft der baltischen Staaten und Polens treffen. Der Wehrdienst trägt über die deutschen Bündniszusagen einen kleinen Teil zu ihrem Schutz bei.

Wert 5 · Wohlstand & ProduktionImpact 0,2Plausibilität 3
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Wert

Es geht um Wirtschaftsleistung und Sachwerte der Verbündeten an der Ostflanke — Geld, nicht Leben; die Menschen stehen im Argument davor. Dass es nicht um deutsches Geld geht, mindert das Gewicht nicht: Diese Seite zählt einen Euro Schaden gleich, wo er entsteht. Der Wert ist mittel: Wirtschaftsleistung und Sachschaden, gezählt zum Nennwert.

Impact

Ein Land, auf dessen Boden Krieg geführt wird, verliert nach der langen Reihe des Kiel Instituts rund 30 Prozent seiner Wirtschaftsleistung nach fünf Jahren [24]. Für die baltischen Staaten und Polen, zusammen 1.092 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung im Jahr [28], sind bei einer Invasion rund 446 Milliarden Euro verlorene Wirtschaftsleistung angesetzt und rund 55 Milliarden Euro Sachschaden, gerechnet mit der Schadensrate der Ukraine [25] — beides getrennt, damit nichts doppelt zählt. Wahrscheinlichkeit und Anteil sind dieselben wie für die Menschen an der Ostflanke: 5 Prozent in zehn Jahren, 0,8 Prozent zugerechnet. Auf der Karte sind das rund 0,2 Punkte. Der Impact ist klein: ein großer, unwahrscheinlicher Schaden, zu dessen Abwendung der Wehrdienst wenig beiträgt.

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501 Mrd €
Schaden an der Ostflanke bei einer Invasion
× 5 % in zehn Jahren ÷ 10 wie beim Schutz Deutschlands
2,5 Mrd €/Jahr
Wahrscheinlichkeit je Jahr
× 0,8 % Setzung, Spanne 0,1–4 %
20 Mio €/Jahr
Anteil des Wehrdiensts über die Bündnisbereitschaft
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,2
Normalised Impact
Score 0,2 Impact × 5 Wert × 3 Plausibilität ÷ 10 = 0,3 von 100

Plausibilität

Die Kette ist um ein Glied länger als beim Schutz Deutschlands: Der Wehrdienst muss erst helfen, die Bündniszusagen zu erfüllen, und erst deren Erfüllung schreckt ab [31]. Kontrafaktum ist der Aufwuchs im bisherigen Tempo; das Design ist mechanistisch, ohne gemessenen Beitrag; die eine Störgröße ist, dass die Zusagen auch ohne Wehrdienst erfüllt werden könnten — die Brigade Litauen ist schon zu vier Fünfteln mit Freiwilligen besetzt [32] —, sie ist im halbierten Anteil verrechnet; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Kleine Stolperdraht-Truppen schrecken nach Reiter und Poast nicht ab, nur Kräfte, die das örtliche Kräfteverhältnis ändern [33]. Beide Bündnis-Argumente teilen ihren Eintritt. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig: Die Kette ist länger als beim Schutz Deutschlands, und kein Glied ist gemessen.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6 befundband: Kette offen · P 3–3,5

Kontrafaktum: Aufwuchs im bisherigen Tempo. Design: mechanistisch — Wehrdienst → Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele → Abschreckung an der Ostflanke, ein Glied länger als beim Schutz Deutschlands, ohne Trägerstudie. Störgröße: Erfüllung der Zusagen auch ohne Wehrdienst (Brigade Litauen zu 80 % Freiwillige [32]) — im halbierten Anteil verrechnet. Richtung: keine Umkehrkausalität. Nur die Invasion gezählt, ein begrenzter Angriff auf das Baltikum nicht.

Kette benannt (Wehrdienst → Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele → Abschreckung an der Ostflanke); das mengentragende Glied — ob die Zusagen ohne Wehrdienst verfehlt würden — ist ungeprüft, die Brigade Litauen ist schon überwiegend mit Freiwilligen besetzt [32]. Rückleseprobe: Die Rechnung trägt in ihrer Größenordnung in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen.

Abschreckung schützt Leben in Deutschland

0,0von 100

Ein Krieg mit deutscher Beteiligung kostet Soldaten und Zivilisten das Leben. Gerechnet mit den Verlustraten des Krieges in der Ukraine wären es bei einer Invasion rund 4.900 Tote und 15.600 Schwerverletzte in Deutschland; der Wehrdienst kann davon nur einen kleinen Teil abwenden.

Wert 10 · LebenImpact 0,0Plausibilität 4
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Wert

Es geht um Leben und Gesundheit, das höchste Gewicht dieser Seite. Getroffen würden vor allem Soldatinnen und Soldaten, bei Angriffen mit Raketen und Drohnen auch Zivilisten. Das Argument steht getrennt von Wirtschaft und Sachschaden, damit das Gewicht des Lebens nicht in einem Mischwert verschwindet — in der früheren Fassung ging es in einem gemeinsamen Wert mit den Sachschäden auf. Der Wert ist der höchste der Skala: Es geht um Leben.

Impact

Für einen Krieg mit deutscher Beteiligung gibt es kein veröffentlichtes Opferszenario; gerechnet ist deshalb mit Raten aus der Ukraine, als Setzung. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr plant nach Presseberichten für rund 1.000 Verwundete am Tag [30]; im Ukrainekrieg kommen auf einen verwundeten oder vermissten Soldaten rund 0,3 Tote [27], und Raketen- und Drohnenangriffe töteten 2025 dort 686 Zivilisten [26]. Daraus sind für eine Invasion mit vollem Bündnisfall rund 4.900 Tote und 15.600 Schwerverletzte in Deutschland angesetzt, für einen begrenzten Angriff rund 70 Tote und 220 Schwerverletzte, bewertet mit den Ansätzen dieser Seite für ein Leben und einen Schwerverletzten, samt Zuschlag für die Angehörigen. Wahrscheinlichkeiten und Anteil des Wehrdiensts sind dieselben wie im Argument über Wirtschaft und Sachwerte: 5 und 20 Prozent in zehn Jahren, 1,6 und 0,4 Prozent. Auf der Karte ergibt das weniger als ein Zehntel Punkt — weniger als die Toten und Verletzten, die der Dienst selbst im Frieden fordert. Der Impact ist sehr klein: Viele Leben stehen auf dem Spiel, aber der Krieg ist unwahrscheinlich und der Anteil des Wehrdiensts an seiner Abwendung klein.

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9,57 Mrd €
Tote und Schwerverletzte in Deutschland bei einer Invasion
× 5 % in zehn Jahren ÷ 10 wie im Argument über Wirtschaft und Sachwerte
47,8 Mio €/Jahr
Wahrscheinlichkeit je Jahr
× 1,6 % Setzung, Spanne 0,2–8 %
0,77 Mio €/Jahr
Anteil des Wehrdiensts
+ 71 Tote und 217 Schwerverletzte (0,14 Mrd €) × 20 % ÷ 10 × 0,4 % Setzung
0,78 Mio €/Jahr
begrenzter Angriff
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,01
Normalised Impact
Score 0,01 Impact × 10 Wert × 4 Plausibilität ÷ 10 = 0,0 von 100

Plausibilität

Wie viele Menschen ein Krieg mit deutscher Beteiligung tötet, hat niemand öffentlich geschätzt; die Raten aus der Ukraine sind ein Anhalt, keine Prognose [26][27]. Für die Abschreckungskette gilt dasselbe wie im Argument über Wirtschaft und Sachwerte: Kontrafaktum ist der Aufwuchs im bisherigen Tempo, das Design ist mechanistisch ohne gemessenen Beitrag der Truppenstärke, die eine Störgröße ist die Einsatzfähigkeit zusätzlicher Köpfe ohne Material und Ausbildung, eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Beide Argumente teilen deshalb ihren Eintritt: Wird ein Angriff abgewendet, bleiben Menschen und Sachwerte zugleich verschont. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig bis mittel: Die Kette ist nachvollziehbar, gemessen ist sie nicht, und das Opferszenario ist gesetzt.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6 befundband: Kette geschlossen, unbelegt · P 4–5

Kontrafaktum: Aufwuchs im bisherigen Tempo (rund 220.000 Aktive 2035). Design: mechanistisch — Abschreckungskette Kopfzahl → Verteidigungsfähigkeit → Angriffswahrscheinlichkeit, ohne Trägerstudie. Störgröße: Einsatzfähigkeit zusätzlicher Köpfe ohne Material und Ausbildung — in der Setzung des Anteils (Invasion 1,6 %, Spanne 0,2–8 %; begrenzter Angriff 0,4 %, Spanne 0,2–1,5 %) verrechnet. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(projektion 6; mechanistisch 6; bisher 5) = 5. Erwartungswert-Argument über zwei Ereignisse: I trägt Rate × Schaden × Anteil, P beurteilt die Rechnung.

Kette geschlossen (Kopfzahl → Verteidigungsfähigkeit → Angriffswahrscheinlichkeit), Gegenmechanismen benannt (Materialengpass, Schwellenlogik der Abschreckung [33]); es fehlt der Beleg, wie stark zusätzliche Soldaten einen Angriff unwahrscheinlicher machen. Rückleseprobe: Die Rechnung trägt in ihrer Größenordnung in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen.

Bündnisbereitschaft schützt Menschen an der Ostflanke

0,0von 100

Deutschland hat zugesagt, an der Ostflanke Truppen zu stellen — die Brigade Litauen, zusätzliche Kräfte für die NATO-Fähigkeitsziele. Der Wehrdienst hilft, diese Zusagen zu erfüllen, und damit, Menschen in den baltischen Staaten und in Polen zu schützen; allein reicht er dafür nicht.

Wert 10 · LebenImpact 0,0Plausibilität 3
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Wert

Es geht um Leben und Gesundheit von Menschen in den baltischen Staaten und in Polen. Auf dieser Seite wiegt ein Leben überall gleich viel; dass die Betroffenen nicht in Deutschland leben, mindert das Gewicht nicht, nur den Anteil, den eine deutsche Maßnahme an ihrem Schutz hat. Der Wert ist der höchste der Skala: Es geht um Leben.

Impact

Bei einer Invasion mit vollem Bündnisfall träfe der Krieg zuerst die Ostflanke: die baltischen Staaten mit 6,1 Millionen und Polen mit 36,3 Millionen Einwohnern [28]. Mit den Verlustraten der Ukraine, auf die Bevölkerung umgelegt — 97 getötete und 288 verletzte Zivilisten je Million Einwohner und Jahr [26], dazu militärische Verluste [27] —, sind dort rund 11.600 Tote und 35.700 Schwerverletzte angesetzt, bewertet mit den Ansätzen dieser Seite samt Zuschlag für die Angehörigen. Deutschland hat für die NATO-Fähigkeitsziele 50.000 bis 60.000 zusätzliche aktive Soldaten zugesagt [31]; der Wehrdienst trägt dazu bei, aber die Brigade Litauen ist schon zu vier Fünfteln mit Freiwilligen besetzt [32], und die Verbündeten schützen sich vor allem mit ihren eigenen Streitkräften. Dem Wehrdienst ist deshalb nur die Hälfte des Anteils zugerechnet, der für den Schutz Deutschlands gilt: 0,8 Prozent (Spanne 0,1 bis 4), bei 5 Prozent Wahrscheinlichkeit in zehn Jahren. Gezählt ist nur die Invasion, ein begrenzter Angriff auf das Baltikum nicht. Auf der Karte ist das knapp ein Hundertstel Punkt. Der Impact ist sehr klein: Der Schaden wäre groß, aber unwahrscheinlich, und die Maßnahme trägt zu seiner Abwendung nur wenig bei.

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22,65 Mrd €
Tote und Schwerverletzte an der Ostflanke bei einer Invasion
× 5 % in zehn Jahren ÷ 10 wie beim Schutz Deutschlands
113 Mio €/Jahr
Wahrscheinlichkeit je Jahr
× 0,8 % Setzung, Spanne 0,1–4 %: halber Anteil des Schutzes Deutschlands, weil die Maßnahme allein die Verbündeten nicht schützt
0,91 Mio €/Jahr
Anteil des Wehrdiensts über die Bündnisbereitschaft
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
0,01
Normalised Impact
Score 0,01 Impact × 10 Wert × 3 Plausibilität ÷ 10 = 0,0 von 100

Plausibilität

Die Kette ist um ein Glied länger als beim Schutz Deutschlands: Der Wehrdienst muss erst helfen, die Bündniszusagen zu erfüllen, und erst deren Erfüllung schreckt ab [31]. Kontrafaktum ist der Aufwuchs im bisherigen Tempo; das Design ist mechanistisch, ohne gemessenen Beitrag; die eine Störgröße ist, dass die Zusagen auch ohne Wehrdienst erfüllt werden könnten — die Brigade Litauen ist schon zu vier Fünfteln mit Freiwilligen besetzt [32] —, sie ist im halbierten Anteil verrechnet; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Kleine Stolperdraht-Truppen schrecken nach Reiter und Poast nicht ab, nur Kräfte, die das örtliche Kräfteverhältnis ändern [33]. Beide Bündnis-Argumente teilen ihren Eintritt. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig: Die Kette ist länger als beim Schutz Deutschlands, und kein Glied ist gemessen.

evidence_basis: Projektion · P-ceiling 5 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6 befundband: Kette offen · P 3–3,5

Kontrafaktum: Aufwuchs im bisherigen Tempo. Design: mechanistisch — Wehrdienst → Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele → Abschreckung an der Ostflanke, ein Glied länger als beim Schutz Deutschlands, ohne Trägerstudie. Störgröße: Erfüllung der Zusagen auch ohne Wehrdienst (Brigade Litauen zu 80 % Freiwillige [32]) — im halbierten Anteil verrechnet. Richtung: keine Umkehrkausalität. Nur die Invasion gezählt, ein begrenzter Angriff auf das Baltikum nicht.

Kette benannt (Wehrdienst → Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele → Abschreckung an der Ostflanke); das mengentragende Glied — ob die Zusagen ohne Wehrdienst verfehlt würden — ist ungeprüft, die Brigade Litauen ist schon überwiegend mit Freiwilligen besetzt [32]. Rückleseprobe: Die Rechnung trägt in ihrer Größenordnung in etwa drei von zehn vergleichbaren Fällen.

Argumente — Contra

7 Argumente · Top 3 angezeigt

Erzwungene Lebenszeit der Ausgelosten

6,6von 100

Wird die Wehrpflicht ausgelöst, entscheidet bei Überhang das Los, wen es trifft. Die Herangezogenen verlieren sechs bis zwölf Monate Selbstbestimmung — Kasernenpflicht, Befehl und Gehorsam, keine Wahl von Ort und Aufgabe. Im Erwartungswert sind das 7.500 Dienstjahre im Jahr, je 2.400 erzwungene Stunden: der einzige Posten der Bilanz, dessen Last eine ausgeloste Minderheit allein trägt. Ihr Einkommen im Dienstjahr und ihre Lohnnachteile danach stehen in eigenen Argumenten.

Wert 9 · Lebenszeit & FreiheitImpact 1,2Plausibilität 6
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Wert

Hier wiegt nicht das Geld, sondern was hinter dem Geld steht. Der Staat greift auf die Lebenszeit einer Minderheit zu, die er per Zufall auswählt — nicht nach Eignung, nicht nach Bereitschaft, sondern durch das Los [3]. Betroffen sind ausschließlich Männer; für Frauen ist selbst der Fragebogen freiwillig [1]. Getroffen werden sie in dem Lebensabschnitt, in dem Ausbildung, Studium und Berufseinstieg entschieden werden. Gelebte Zeit steht in diesem Maßstab einen Schritt unter Leben und Gesundheit — teilbar, wiederholbar, aber unwiederbringlich; dass sie hier erzwungen ist, zählt einmal, in der vollen Stunde, und nicht ein zweites Mal im Gewicht. Zugleich ist der Eingriff begrenzt: Er ist befristet, er wird bezahlt, er ist im Grundgesetz seit jeher vorgesehen. Und wer den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen ablehnt, kann ihn verweigern: 2025 taten das 3.867 Menschen, im ersten Quartal 2026 bereits 2.656 [12]. Deshalb steht dieser Posten in der Abwägung und nicht außerhalb von ihr. Der Wert ist hoch: Es geht um fremdbestimmte Lebenszeit einer ausgelosten Minderheit — einen Schritt unter Leben, gemildert durch Bezahlung, Befristung und das Recht zu verweigern.

Impact

Das Gesetz sieht vor, dass der Bundestag eine Bedarfswehrpflicht auslösen kann, wenn der Aufwuchspfad verfehlt wird; stehen dann mehr taugliche Wehrpflichtige zur Verfügung als gebraucht werden, wird ausgelost [3]. Angesetzt sind 25.000 Dienstjahre im Jahr (Spanne: 15.000 bis 40.000), wenn die Wehrpflicht gilt — die Lücke von rund 40.000 Aktiven [4], aufgefüllt mit sechs- bis zwölfmonatigem Dienst. Sie gilt frühestens, wenn der Aufwuchspfad erkennbar verfehlt ist, also in etwa sechs der zehn Bewertungsjahre; dass der Bundestag sie überhaupt auslöst, ist mit 50 % angesetzt (Spanne: 25 bis 80 %). Im Erwartungswert sind das 7.500 Dienstjahre pro Jahr. Was ein Dienstjahr nimmt, ist nicht das Einkommen — der Wehrsold von 2.600 € brutto liegt über dem, was ein 19-Jähriger sonst verdient [1] — sondern die Verfügung über die eigene Zeit: Kasernenpflicht, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Unterstellung unter Befehl und Gehorsam, erzwungene körperliche Belastung, keine Wahl von Ort, Aufgabe und Vorgesetzten. Angesetzt sind je Dienstjahr 2.400 erzwungene Stunden (Spanne: 2.000 bis 3.500): rund 1.900 Dienststunden und dazu Kasernenabende, Bereitschaften und Übungen — von 5.840 wachen Stunden im Jahr. Jede dieser Stunden zählt als volle wache Stunde, wie eine Stunde im Wartezimmer oder bei der Musterung. Das sind 18 Mio Stunden im Jahr, auf der Karte 1,2 — rund die Hälfte des Abschreckungsnutzens auf der Gegenseite und mehr als die 16.000 € Sold-Vorsprung je Jahr, die einen Ausgelosten gerade nicht zum Freiwilligen gemacht haben. Dass der Preis des Zwangs in dieser Größenordnung liegt, zeigt auch die Rechnung des ifo Instituts: Dieselbe Truppe über den Markt zu gewinnen kostet den Staat mehr (7,7 statt 3,2 Mrd €), die Volkswirtschaft aber weniger (9,4 statt 17,1 Mrd €) [7]. Der Impact ist klein bis mittel: Es sind vergleichsweise wenige Betroffene — aber jeden Einzelnen trifft es ein Jahr lang, und was ihm genommen wird, ist nicht Geld.

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25.000 Dienstjahre
Dienstjahre je Jahr bei ausgelöster Wehrpflicht
× 6 von 10 Jahren frühestens, wenn der Aufwuchspfad erkennbar verfehlt ist
15.000 Dienstjahre
In den Jahren, in denen die Wehrpflicht gelten kann
[3]
× 50 % Auslösung durch den Bundestag Setzung, Spanne 25–80 %: eigenes Gesetzgebungsverfahren nötig
7.500 Dienstjahre
Erwartungswert der Ausgelosten je Jahr
× 2.400 Stunden je Dienstjahr Setzung, Spanne 2.000–3.500: rund 1.900 Dienststunden plus Kasernenpflicht, Bereitschaft, Übungen
18 Mio Stunden
Erzwungene Stunden im Jahr
× 6,85 € je Stunde erzwungene Zeit zählt als volle wache Stunde (Personenstunde, oberer Rand)
123 Mio €
Lebenszeit im Jahr (Spanne 55–330)
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
1,23
Normalised Impact
Score 1,23 Impact × 9 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 6,6 von 100

Plausibilität

Dass der Dienst Zeit und Selbstbestimmung kostet, ist keine Frage der Evidenz, sondern eine Definition: Wer ausgelost wird, verliert sie mit Sicherheit. Unsicher ist die Zahl der Ausgelosten. Sie hängt an zwei politischen Entscheidungen: ob der Aufwuchspfad verfehlt wird — beim Zuwachs des vergangenen Jahres von 3.600 Soldaten ist das wahrscheinlich [4] — und ob der Bundestag daraufhin die Wehrpflicht durch ein weiteres Gesetz auslöst [3]. Beides steckt als Erwartungswert in der Menge und wird hier nicht ein zweites Mal abgezogen. Das Kontrafaktum ist der Aufwuchs ohne Losverfahren; das Design ist mechanistisch — die Rechtsfolge ist definiert, die Kopfzahl eine Setzung aus Lücke und Dienstdauer; die eine Störgröße ist ein stärkerer Freiwilligenzulauf durch den höheren Sold, der die Lücke verkleinert und in der Spanne der Dienstjahre steckt; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist mittel: Der Verlust je Ausgelostem ist sicher, seine Bezifferung eine Setzung — und wie viele es trifft, ist eine politische Frage, keine empirische.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: Aufwuchs ohne Losverfahren. Design: mechanistisch — Rechtsfolge des Losverfahrens ist definiert, die Menge (25.000 Dienstjahre × 6/10 × 50 %) eine Setzung aus Lücke, Dienstdauer und politischer Auslösung. Störgröße: Freiwilligenzulauf durch den höheren Sold, in der Spanne 15.000–40.000. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(mechanismus offen; mechanistisch 6) = 6 — der bisherige Deckel 5 galt dem Studienstreit über Lohnnachteile, der jetzt im eigenen Argument con-7 steht.

Öffentliche Kosten des Aufwuchses

6von 100

Über zehn Jahre gemittelt gibt der Bund für den neuen Wehrdienst angesetzt rund 1 Mrd € zusätzlich im Jahr aus (Spanne: 0,5 bis 2,5 Mrd €); amtlich beziffert ist nur der Anlauf, 495 Mio € für 2026 bis 849 Mio € für 2029. Rund 700 Mio € davon sind Sold, der als Einkommen bei jungen Leuten ankommt, deren Euro hier mehr zählt als der des Bundes — das mindert die Last auf rund 200 Mio € im Jahr. Was die Volkswirtschaft wirklich verliert, ist das zivile Jahr der Dienstleistenden; es steht in einem eigenen Argument.

Wert 5 · StaatsfinanzenImpact 2Plausibilität 6
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Wert

Es handelt sich um Mittel des Bundeshaushalts: Sold, Ausbildung, Kasernen, Ausrüstung. Sie treffen niemanden existenziell, aber sie fehlen anderswo — im selben Etat konkurrieren sie mit Beschaffung, Munition und Infrastruktur, deren Rückstand der Wehrbeauftragte seit Jahren beschreibt [6]. Der Etat wächst zwar: Deutschland hat in Den Haag zugesagt, bis 2035 mindestens 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts für Kernverteidigung aufzuwenden [13]. Auch ein wachsender Etat bleibt aber ein begrenzter Etat. Öffentliche Mittel sind die Rechnungseinheit dieser Bewertung: Sie wiegen genau so viel, wie sie kosten, nicht mehr und nicht weniger. Der Wert ist mittel: gewöhnliche Haushaltsmittel ohne besondere Schwere — aber in einem Etat, in dem jeder Euro bereits verplant ist.

Impact

Der Gesetzentwurf beziffert die Mehrausgaben des Bundes auf 495 Mio € für 2026, rund 603 Mio € für 2027, rund 713 Mio € für 2028 und rund 849 Mio € für 2029 [2]. Was diese Zahlen nicht enthalten, steht ausdrücklich im Text: die Kosten einer gegebenenfalls erfolgenden Einberufung [2]. Nach 2029 wächst der Posten weiter, weil der Aufwuchspfad wächst; für 2030 bis 2035 sind 1,25 Mrd € im Jahr angesetzt (Spanne: 0,8 bis 2,5 Mrd €). Allein der Wehrsold von 2.600 € brutto für angestrebte 40.000 Dienstleistende im Jahr ergibt gut 1,2 Mrd € [1]; Ausbildung, Unterbringung und persönliche Ausrüstung kommen hinzu. Gegenzurechnen ist, was auch ohne die Maßnahme angefallen wäre — im Mai 2026 leisteten 12.744 Menschen Dienst im Neuen Wehrdienst, zu niedrigerem Sold [4]. Über zehn Jahre gemittelt bleiben rund 1,0 Mrd € zusätzliche Bundesausgaben pro Jahr (Spanne: 0,5 bis 2,5 Mrd €). Zum Vergleich: Das ifo Institut veranschlagt für eine Wehrpflicht mit 195.000 zusätzlichen Soldaten Staatsausgaben von 3,2 Mrd € jährlich [7] — dieselbe Größenordnung, auf den hier bewerteten Umfang skaliert. Jeder Steuereuro kostet die Volkswirtschaft beim Eintreiben etwa 25 Cent zusätzlich (Spanne: 15 bis 40 Cent): 250 Mio € obendrauf. Von dem Geld kommt aber der größte Teil nicht bei Kasernen und Ausrüstung an, sondern als Sold bei den Dienstleistenden: angesetzt rund 700 Mio € im Jahr (Spanne: 500 bis 900 Mio €) für 20.000 zusätzliche Dienstleistende und die Sold-Anhebung der schon Dienenden. Das Geld verschwindet nicht, es wechselt die Tasche — vom Bund zu jungen Haushalten aus den unteren Einkommensfünfteln, deren Euro hier mit 1,5 zählt (Spanne: 1,0 bis 2,0). Das nimmt 1.050 Mio € von der Last. Übrig bleiben rund 200 Mio € im Jahr, auf der Karte 2,0 — ein Sechstel dessen, was der Bund ausgibt, und etwa so viel wie der Abschreckungsnutzen auf der Gegenseite. Was die Dienstleistenden für den Sold hergeben — ihr ziviles Jahr — ist ein eigener Posten (con-6). Das Geld fehlt gleichwohl an anderer Stelle im Verteidigungshaushalt, der 2026 auf 108,2 Mrd € steigt [14]. Der Impact ist klein: Der Bund gibt viel aus, aber das meiste davon ist Sold, der als Einkommen bei jungen Leuten ankommt — was bleibt, sind Ausbildung, Unterbringung und die Kosten des Eintreibens.

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Mehrausgaben des Bundes im Mittel 2026–2035 Setzung für die Jahre nach 2029, Spanne 800–2.500 Mio €: Aufwuchspfad, Kosten einer Einberufung nicht beziffert [1][2][4] 2026–2029 amtlich 495, 603, 713, 849 Mio €; 2030–2035 angesetzt 1.250 Mio € je Jahr 1.000 Mio €
+ Zusatzlast der Steuerfinanzierung Setzung, Spanne 15–40 Cent: was das Eintreiben eines Steuereuros die Volkswirtschaft kostet — nur hier, einmal 25 Cent je Euro 250 Mio €
− Sold, der als Einkommen bei den Dienstleistenden ankommt Transfer: rund 700 Mio € des Betrags sind Sold (Spanne 500–900); beim Bund zählt der Euro mit 1, bei den jungen Haushalten der Dienstleistenden mit 1,5 (Spanne 1,0–2,0) [1][4] 700 Mio € × 1,5 1.050 Mio €
= Wohlfahrtskosten im Jahr (Spanne 0–900) 200 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 2
Score 2 Impact × 5 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 6 von 100

Plausibilität

Dass die Kosten anfallen, folgt unmittelbar aus dem Gesetzesvollzug; strittig ist allein die Höhe. Bis 2029 ist sie amtlich beziffert und im Haushalt hinterlegt [2]. Danach hängt sie an zwei Größen: wie viele Dienstleistende tatsächlich kommen und ob die Wehrpflicht ausgelöst wird. Beides ist offen und steckt in der Spanne. Bemerkenswert ist, was der Gesetzentwurf selbst einräumt: Die Kosten einer Einberufung gibt er nicht an [2]. Das spricht dafür, dass die obere Kante der Spanne eher zu niedrig als zu hoch angesetzt ist. Das Kontrafaktum ist der Wehrdienst zu den Konditionen vor dem Gesetz mit 12.744 Dienstleistenden; das Design ist mechanistisch — die Höhe ab 2030 folgt nicht aus dem Gesetzestext, sondern aus dem Zulauf und der Auslösung; die eine Störgröße ist die Sold-Anhebung, die der Bund ohnehin geplant haben könnte, was den Mehrbetrag verkleinerte und in der unteren Kante der Spanne steckt; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Der Kostenanfall ist sicher und für vier Jahre amtlich beziffert — unsicher ist, wie weit er darüber hinaus steigt und wie viel davon als Sold zurückfließt.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: Wehrdienst zu den Konditionen vor dem Gesetz (12.744 Dienstleistende). Design: mechanistisch — Betrag bis 2029 amtlich, danach Setzung aus Zulauf und Auslösung (Kostenposten: der Betrag entscheidet, nicht das Thema). Störgröße: ohnehin geplante Sold-Anhebung, in der unteren Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(mechanismus offen; bisher 8; mechanistisch 6) = 6 — P von 6,5 auf 6 gesenkt.

Verlorenes ziviles Jahr der Freiwilligen

5,6von 100

Der höhere Sold zieht angesetzt rund 12.500 zusätzliche Freiwillige im Jahr in den Dienst. Was sie hergeben, ist ihr ziviles Jahr: Ausbildung, Studium oder Arbeit — im Schnitt rund 15.000 € Wertschöpfung je Person, die der Volkswirtschaft fehlt, während der Sold sie mehr als ausgleicht. Es ist der eigentliche Preis der Truppe, den die Bundesausgaben nur verdecken.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 1,9Plausibilität 6
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Wert

Betroffen sind junge Menschen, die freiwillig kommen: Sie tauschen ein Jahr Ausbildung, Studium oder Arbeit gegen den Dienst und bekommen dafür einen Sold, der über ihrem zivilen Einkommen liegt [1]. Der Verlust ist deshalb keiner, den sie selbst spüren — er ist ein Verlust der Volkswirtschaft: die Arbeit, die in dem Jahr nicht getan, die Ausbildung, die nicht fortgesetzt wird. Es geht um Geld — um Arbeitsleistung, die zählt, was sie kostet, unabhängig davon, wer sie erbracht hätte. Es geht nicht um Existenzsicherung und nicht um Zwang: Wer kommt, hat sich entschieden; seine aufgegebene Freizeit wird deshalb nicht gegengerechnet. Der Wert ist mittel: entgangene Wertschöpfung als gewöhnlicher Geldposten — spürbar in der Summe, für den Einzelnen durch den Sold gedeckt.

Impact

Im Mai 2026 leisteten 12.744 Menschen Dienst im Neuen Wehrdienst [4]; das Gesetz zielt auf rund 40.000 Dienstleistende im Jahr [1]. Der Sold von 2.600 € brutto und der Führerscheinzuschuss sollen die Lücke füllen [3]. Angesetzt sind im Mittel der zehn Jahre 12.500 zusätzliche Freiwillige pro Jahr (Spanne: 5.000 bis 25.000) — die Bewerbungen stiegen bis Februar 2026 um ein Fünftel [5], aber vom Zulauf zum Antritt ist es ein weiter Weg. Jeder von ihnen hätte in dem Jahr sonst etwas anderes getan: Auszubildende erwirtschaften rund 19.000 € im Jahr, Schülerinnen und Studierende nichts, junge Erwerbstätige rund 35.000 € — im Schnitt angesetzt 15.000 € entgangene zivile Wertschöpfung je Person (Spanne: 8.000 bis 25.000 €). Das sind 187,5 Mio € im Jahr, zum Nennwert — entgangene Arbeitsleistung zählt, was sie kostet, nicht, wer sie erbracht hätte —, auf der Karte 1,9, ebenso viel wie der Abschreckungsnutzen auf der Gegenseite. Der Sold, den sie stattdessen bekommen, ist schon bei den öffentlichen Kosten gegengerechnet und hier nicht noch einmal. Die Ausgelosten stehen nicht in dieser Rechnung: Ihr Jahr zählt als erzwungene Lebenszeit, nicht als Arbeitsausfall — einmal, nicht beides. Der Impact ist klein bis mittel: viele Menschen, ein Jahr, ein bescheidener Betrag je Kopf — aber in der Summe der zweitgrößte Posten der Bilanz.

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12.500 Personen
Zusätzliche Freiwillige im Jahr
× 15.000 € je Person Setzung, Spanne 8.000–25.000 €: Auszubildende rund 19.000 € Arbeitskosten, Schüler und Studierende null, junge Erwerbstätige rund 35.000 €
187,5 Mio €
Entgangene zivile Wertschöpfung im Jahr
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
1,88
Normalised Impact
Score 1,88 Impact × 5 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 5,6 von 100

Plausibilität

Dass ein Jahr im Dienst ein Jahr ohne zivile Arbeit oder Ausbildung ist, ist eine Definition. Unsicher ist, wie viele kommen — und wie viel sie sonst erwirtschaftet hätten. Für Ersteres spricht der Bewerbungsanstieg von 20 % nach der Sold-Anhebung [5]; dagegen spricht, dass die Bundeswehr auch mit steigenden Bewerbungen nur 3.600 Soldaten im Jahr zulegte [4]. Für Letzteres gibt es keine Erhebung über die Herkunft der Dienstleistenden; die 15.000 € sind ein Mittel über Ausbildung, Schule und Arbeit. Das Kontrafaktum ist der Wehrdienst zu den alten Konditionen mit 12.744 Dienstleistenden; das Design ist mechanistisch — der Zulauf ist eine Verhaltensreaktion auf den Sold, ohne Studie, die sie für Deutschland misst; die eine Störgröße ist die allgemeine Arbeitsmarktlage, die junge Menschen auch ohne höheren Sold zur Bundeswehr treibt und in der unteren Spanne steckt; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist mittel: Der Verlust je Dienstleistendem ist sicher, seine Höhe eine Setzung — und wie viele kommen, zeigt sich erst mit den Jahren.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: Wehrdienst zu den alten Konditionen (12.744 Dienstleistende). Design: mechanistisch — Zulauf als Verhaltensreaktion auf den Sold, keine deutsche Messung; ziviles Einkommen je Person eine Setzung. Störgröße: Arbeitsmarktlage, in der unteren Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: mechanismus offen, mechanistisch 6 → 6.

Lohnnachteil der Ausgelosten nach dem Dienst

4,5von 100

Wer ausgelost wird, verliert nicht nur das Dienstjahr: Mehrere Studien finden bei Wehrpflichtigen dauerhaft niedrigere Einkommen — in den Niederlanden 3 bis 4 % noch 18 Jahre später, in Schweden mehr Transferbezug bei Dienstleistenden aus benachteiligten Haushalten. Angesetzt sind 30.000 € über das Erwerbsleben je Ausgelostem, für rund 8.500 Menschen im Jahr — mehr Köpfe als Dienstjahre, weil ein Dienst im Mittel neun Monate dauert. Die deutsche Studie findet nach Selektionskorrektur allerdings keinen Nachteil.

Wert 5 · HaushaltsbudgetImpact 2,5Plausibilität 3,5
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Wert

Betroffen sind die Ausgelosten — junge Männer, die den Dienst nicht gewählt haben und ihn in dem Lebensabschnitt leisten, in dem Ausbildung und Berufseinstieg entschieden werden. Es geht um Geld über Jahrzehnte: einige zehntausend Euro über das Erwerbsleben je Person. Das ist spürbar, aber keine Existenzfrage, und es trifft nach der Studienlage nicht alle gleich — Dienstleistende aus benachteiligten Haushalten stärker [16]. Dass sie am unteren Rand der Einkommen stehen, steht im Gewicht des Arguments — die entgangene Arbeitsleistung selbst zählt zum Nennwert. Der Zwang selbst ist im Argument zur Lebenszeit gebucht und hier nicht noch einmal. Der Wert ist mittel: dauerhafte Einkommensverluste einer ausgelosten Minderheit — Geld, aber Geld über ein ganzes Erwerbsleben.

Impact

Im Erwartungswert sind es 7.500 Dienstjahre im Jahr (Spanne: 0 bis 32.000) — dieselbe Menge wie im Argument zur Lebenszeit. Dahinter stehen mehr Menschen als Dienstjahre, weil ein Dienst sechs bis zwölf Monate dauert: bei angesetzt neun Monaten im Mittel rund 10.000 Ausgeloste im Jahr (Spanne: 7.500 bis 15.000). Für rund 85 % von ihnen weist die Evidenz einen Verlust aus; die gering Qualifizierten, für die ein Gewinn belegt ist, stehen im eigenen Argument auf der Gegenseite [10]. Poutvaara und Wagener rechnen mit rund 1 % geringerem Lebenseinkommen je Dienstjahr, etwa 15.000 € [8]. Hubers und Webbink messen für die Niederlande 3 bis 4 % niedrigere Löhne noch 18 Jahre nach dem Dienst und eine um knapp 4 Prozentpunkte geringere Chance auf einen Hochschulabschluss [9] — auf ein Lebenseinkommen von 1,5 Mio € gerechnet rund 50.000 €. Das ifo Institut kommt auf ein lebenslang rund 12 % niedrigeres Vermögen [7]. Hjalmarsson und Lindquist finden für Schweden niedrigere Einkommen und mehr Transferbezug bei Dienstleistenden aus benachteiligten Haushalten [16]. Angesetzt sind daraus 30.000 € Lebenseinkommensverlust je Betroffenem (Spanne: 5.000 bis 80.000 €), dem Jahrgang des Dienstantritts zugerechnet: 8.500 Personen × 30.000 € sind 255 Mio € im Jahr, zum Nennwert — auf der Karte 2,6, etwas mehr als das verlorene zivile Jahr der Freiwilligen; dass der deutsche Dienst kürzer ist als alle untersuchten, spricht für die untere Hälfte der Spanne. Ob der Verlust in Deutschland überhaupt eintritt, steht nicht in dieser Zahl, sondern in der Plausibilität. Der Impact ist klein bis mittel: wenige Betroffene im Jahr — aber jeden Einzelnen über das ganze Erwerbsleben.

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7.500 Dienstjahre
Ausgeloste Dienstjahre im Erwartungswert je Jahr
÷ 9 Monate mittlere Dienstdauer = 0,75 Jahre Setzung, Spanne 6–12 Monate: der Dienst dauert sechs bis zwölf Monate; der Lohnnachteil trifft Köpfe, nicht Dienstjahre — dieselbe Dauer wie im Kriminalitätsargument
10.000 Personen
Betroffene Menschen
[3]
× 85 % die gering Qualifizierten mit belegtem Gewinn (1.500) stehen in pro-2
8.500 Personen
Betroffene ohne Qualifizierungsgewinn
× 30.000 € je Person Setzung, Spanne 5.000–80.000 €: Poutvaara/Wagener 1 % je Dienstjahr ≈ 15.000 €, Hubers/Webbink 3–4 % ≈ 50.000 €, ifo 12 % Vermögen; kürzerer Dienst spricht für die untere Hälfte; Arbeitsleistung zum Nennwert
255 Mio €
Lebenseinkommensverlust, dem Jahrgang des Dienstantritts zugerechnet
÷ 100 Mio € je Punkt Maßstab dieser Seite
2,55
Normalised Impact
Score 2,55 Impact × 5 Wert × 3,5 Plausibilität ÷ 10 = 4,5 von 100

Plausibilität

Vier Arbeiten finden einen Einkommensverlust: Poutvaara und Wagener in einer Modellrechnung [8], das ifo Institut in einer Lebenszyklus-Simulation [7], Hubers und Webbink in niederländischen Daten [9], Hjalmarsson und Lindquist in schwedischen Registerdaten [16]. Eine Arbeit findet für Deutschland gar keinen Effekt, sobald die Selektion herausgerechnet wird [11]; eine findet für eine Teilgruppe sogar einen Gewinn [10] — er ist als eigenes Argument gebucht und hier nicht abgezogen. Das Kontrafaktum der tragenden Studie ist der niederländische Geburtsjahrgang 1959, der durch die Absenkung des Einberufungsalters von 20 auf 19 Jahre 1979 als ganzer vom Dienst ausgenommen blieb; das Design ist quasi-experimentell — ein Vergleich dieses Jahrgangs mit den Nachbarjahrgängen (Hubers/Webbink), für Deutschland eine Stichtags-Diskontinuität der Musterung (Bauer et al.); die eine Störgröße ist die Tauglichkeitsauswahl der Armee, die in Deutschland den scheinbaren Effekt erklärt und die das Stichtagsdesign gerade ausschaltet; eine Umkehrkausalität — dass schlechtere Aussichten zum Dienst führen — ist damit ausgeschlossen. Die Richtung ist in drei Ländern gestützt, aber das mengentragende Glied — ob der Verlust in Deutschland überhaupt anfällt — hat mit der deutschen Studie einen Befund gegen sich: Dass Ausgeloste des neuen Wehrdienstes dauerhaft weniger verdienen, trifft in etwa einem von drei vergleichbaren Fällen zu. Ob überhaupt jemand ausgelost wird, steckt bereits in der Zahl der Betroffenen und wird hier nicht ein zweites Mal abgezogen. Die Plausibilität ist niedrig: Drei Länder finden den Verlust, das kontextnächste findet ihn nicht — und der deutsche Wehrdienst von 2026 ist kürzer als alle untersuchten.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 5 identifikation: Quasi-experimentell · Stufen-Deckel 8 befundband: Tragendes Glied bestritten · P 3,5–4

Kontrafaktum: der niederländische Geburtsjahrgang 1959, durch die Absenkung des Einberufungsalters 1979 als ganzer vom Dienst ausgenommen (Hubers/Webbink 2015; Aussetzung der Wehrpflicht erst 1997). Design: quasi_experimentell — Vergleich des ausgenommenen Jahrgangs mit den Nachbarjahrgängen; Deutschland: Stichtags-RDD der Musterung (Bauer et al. 2012). Störgröße: Tauglichkeitsauswahl, durch beide Designs ausgeschaltet. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(studie 9; bisher 5 aus con-1 v1; quasi_experimentell 8) = 5.

Richtung gestützt (NL, SE, Modellrechnungen), aber das mengentragende Glied — der Verlust in Deutschland — hat mit Bauer et al. einen Nullbefund gegen sich [11]. Gleicher Ergebnisbegriff: Lohn nach dem Dienst. Ledger-Test: der Gewinn gering Qualifizierter steht in pro-2 und senkt hier nicht zusätzlich. Rückleseprobe: trifft in etwa einem von drei Fällen zu.

Offen: Eine Auswertung deutscher Losverfahren-Jahrgänge, die einen Lohnnachteil zeigt, würde P bis an den Deckel von 5 heben; darüber hinaus bräuchte es einen Befund für einen sechs- bis zwölfmonatigen Dienst.

Zeitaufwand von Fragebogen und Musterung für einen ganzen Jahrgang

3,2von 100

Jeder Mann ab Jahrgang 2008 muss den Fragebogen ausfüllen und sich mustern lassen. Der Gesetzentwurf rechnet mit rund 300.000 Wehrpflichtigen pro Jahrgang, von denen nach Ausschlussgründen rund 200.000 tatsächlich gemustert werden, je 6 Stunden — 1,2 Millionen Stunden im Jahr, sobald die Musterungsstellen stehen, dazu Fragebogen und Anreise. Ein Tag je Einzelnem, aber ein angeordneter, bei dem man geprüft und eingestuft wird — und über einen ganzen Jahrgang.

Wert 9 · LebenszeitImpact 0,5Plausibilität 7
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden

Wert

Betroffen ist ein ganzer Jahrgang junger Männer, jeder mit einem Tag Zeit und einer Anreise. Es ist gelebte Zeit, die niemand freiwillig so verbringt: Sie steht in diesem Maßstab einen Schritt unter Leben und Gesundheit — teilbar, wiederholbar, aber unwiederbringlich. Niemand verliert Einkommen, niemand wird in seiner Gesundheit oder Existenz berührt; dass die Musterung angeordnet und körperbezogen ist, zählt in der Stunde, nicht ein zweites Mal im Gewicht. Über 300.000 Menschen summiert sich der Posten. Er trifft eine Altersgruppe, die ohnehin am wenigsten gefragt wurde: Bundesjugendring und Bundesschülerkonferenz kritisierten in der Anhörung, dass die Betroffenen bei der Ausarbeitung des Gesetzes nicht gehört wurden [1]. Der Wert ist hoch: erzwungene Lebenszeit vieler Menschen, im Einzelfall ein Tag.

Impact

Die Pflicht trifft alle: Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, begeht eine Ordnungswidrigkeit [3]. Der Gesetzentwurf beziffert den Aufwand selbst — rund 300.000 Wehrpflichtige pro Jahrgang, von denen nach Ausschlussgründen rund 200.000 tatsächlich gemustert werden, je 6 Stunden: 1.200.000 Stunden laufender Aufwand im Jahr [2]. Voll fällt er erst an, wenn die Musterungsstellen stehen: Nach Angaben des Ministeriums wird zunächst vorrangig gemustert, wer sich freiwillig meldet [3]; über die zehn Jahre sind 80 % des vollen Umfangs angesetzt (Spanne: 60 bis 100 %), das sind 960.000 Musterungsstunden im Jahr. Jede davon zählt mit 50 €: Es ist keine gewöhnliche Wartezeit, sondern eine angeordnete körperliche Untersuchung, der man sich nicht entziehen kann und in der man geprüft und eingestuft wird — eine erzwungene Stunde wiegt mindestens so viel wie eine bezahlte Arbeitsstunde, hier mit einem Aufschlag für den Eingriff. Hinzu kommen der Fragebogen, den der Entwurf mit 15 Minuten für alle 300.000 vom ersten Jahr an ansetzt, die Unterlagen zur Musterungsvorbereitung mit 30 Minuten für die rund 100.000, die Ausschlussgründe vorbringen [2], und die Anreise zur Musterung, die der Entwurf ausdrücklich nicht beziffert — angesetzt sind zwei Stunden je Gemustertem (Spanne: 1 bis 4) —, alles als gewöhnliche erzwungene Zeit mit 6,85 €. Zusammen rund 51 Mio € jährlich, auf der Karte 0,51 — gut ein Viertel des Abschreckungsnutzens. Dazu kommen die Kriegsdienstverweigerungsverfahren: 2025 gingen 3.867 Anträge ein, im ersten Quartal 2026 bereits 2.656 — bleibt der Trend, wird 2026 der höchste Stand seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 erreicht [12]. Jeder Antrag kostet die Antragstellenden Zeit und oft Beratung; beziffert ist das nicht und deshalb nicht gerechnet. Der Impact ist sehr klein: Es sind sehr viele Betroffene, aber der Aufwand je Person liegt bei einem Tag.

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Musterungsstunden je Jahrgang Erfüllungsaufwand laut Gesetzentwurf: 300.000 Wehrpflichtige, davon nach Ausschlussgründen rund 200.000 Musterungen [2] 200.000 tatsächlich Gemusterte × 6 Stunden 1,2 Mio Stunden
× Im Mittel der zehn Jahre (Spanne 0,72–1,2) Setzung, Spanne 60–100 %: zunächst werden vorrangig Freiwillige gemustert, der volle Jahrgang erst mit stehenden Musterungsstellen [3] 80 % 0,96 Mio Stunden
× Angeordnete Untersuchung in Euro erzwungene Prozedur, körperbezogen und gegen den Willen — oberer Rand des Ankers 50 € je Stunde 48 Mio €
+ Fragebogen: 300.000 × 15 Minuten × 6,85 € Zeitansatz des Gesetzentwurfs; gewöhnliche erzwungene Zeit, volle Wachstunde [2][3] 75.000 Stunden × 6,85 € 0,51 Mio €
+ Unterlagen zur Musterungsvorbereitung: 100.000 × 30 Minuten × 80 % × 6,85 € Zeitansatz des Gesetzentwurfs für die Wehrpflichtigen, die Ausschlussgründe vorbringen; gleicher Kapazitätsaufbau wie die Musterung [2] 40.000 Stunden × 6,85 € 0,27 Mio €
+ Anreise zur Musterung: 160.000 Gemusterte × 2 Stunden × 6,85 € Setzung, Spanne 1–4 Stunden je Gemustertem: der Gesetzentwurf nennt Wegezeiten, kann sie aber nicht ermitteln; Musterungsstellen liegen nicht in jedem Landkreis [2] 320.000 Stunden × 6,85 € 2,19 Mio €
= Lebenszeit im Jahr (Spanne 38–66) 51 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 0,51
Score 0,51 Impact × 9 Wert × 7 Plausibilität ÷ 10 = 3,2 von 100

Plausibilität

Der Aufwand folgt unmittelbar aus dem Gesetz, und seine Höhe steht im Gesetzentwurf selbst [2] — belastbarer wird eine Mengenangabe kaum. Das Tempo des Kapazitätsaufbaus ist offen; im Juli 2026 liefen erst die Planungen für die Reaktivierung von Kasernen. Es steckt als Spanne in der Menge und wird hier nicht ein zweites Mal abgezogen. Das Kontrafaktum ist der Zustand ohne Erfassung seit 2011; das Design ist definitorisch — Fragebogen und Musterung sind Rechtsfolge, die Stunden je Musterung nennt der Gesetzentwurf; die eine Störgröße ist die Zahl derer, die sich der Musterung entziehen, was die Menge etwas verkleinert — wer aus Ausschlussgründen gar nicht erst einbestellt wird, ist in den 200.000 des Entwurfs schon herausgerechnet; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Die Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge ist ein früher Indikator dafür, dass die Pflicht in der betroffenen Altersgruppe ankommt [12]. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa sieben von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist hoch: Der Aufwand ist gesetzlich vorgeschrieben und amtlich beziffert — nur der Zeitpunkt, zu dem er voll anfällt, verschiebt sich.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 8 identifikation: Definitorisch · kein Stufen-Deckel

Kontrafaktum: keine Erfassung seit 2011. Design: definitorisch — Rechtsfolge, Menge (200.000 tatsächliche Musterungen × 6 h, 300.000 × 15 min Fragebogen, 100.000 × 30 min Vorbereitung) aus dem Gesetzentwurf; Wegezeit dort nicht ermittelt, hier Setzung 2 h (1–4); der Kapazitätsaufbau ist als Größenspanne in I gebucht (80 %, 60–100 %). Störgröße: Nichteinbestellte und Entzug, klein. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: mechanismus offen, bisher 8 → 8.

Verletzte und Tote im Dienst

0,3von 100

Der Wehrdienst ist körperlich gefährlich, und zwar messbar: 2024 kamen neun Soldatinnen und Soldaten in Ausübung des Dienstes ums Leben, seit Gründung der Bundeswehr rund 3.000 — die meisten bei Unfällen, nicht im Gefecht. Auf rund 20.000 zusätzliche Dienstjahre gerechnet und um das Unfallrisiko bereinigt, das dieselben jungen Männer auch im zivilen Leben trügen, bleiben etwa 0,8 zusätzliche Tote und rund 200 zusätzliche Verletzte jährlich, davon rund 10 schwer. Gemessen an der Bilanz ist der Posten klein; für die Betroffenen ist er es nicht.

Wert 10 · Leben & GesundheitImpact 0,1Plausibilität 6
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Wert

Hier geht es um Leben und Gesundheit — die schwerste Kategorie, die diese Bewertung kennt. Betroffen sind ausschließlich die Dienstleistenden selbst, und unter ihnen jene, die sich den Dienst nicht ausgesucht haben. Ein Ausgeloster kann den Schaden nicht abwählen, nicht versichern und nicht wegverhandeln; er kann ihn nur tragen. Der Schaden ist bewusst als eigener Posten geführt und nicht in den Einkommensverlust der Herangezogenen eingerechnet: Ein zerstörtes Knie ist kein entgangener Lohn. Auch die Behandlungs- und Versorgungskosten des Bundes stehen nicht hier — sie sind das kleinste der drei Probleme und dürfen den Schaden an den Menschen nicht ersetzen. Der Wert ist sehr hoch: Es geht um Leben und Gesundheit junger Menschen, die den Dienst nicht gewählt haben — schwerer wiegt in dieser Bewertung nichts.

Impact

Die Frage ist einfach und die Antwort amtlich: Wie gefährlich ist der Dienst? Im Jahr 2024 kamen neun Soldatinnen und Soldaten in Ausübung des Dienstes ums Leben, bei rund 181.000 Aktiven — rund fünf je 100.000 und Jahr [19]. Zum Vergleich: In der zivilen Erwerbsarbeit liegt die Quote in Deutschland bei etwa einem tödlichen Unfall je 100.000 Beschäftigten. Seit Gründung der Bundeswehr sind rund 3.000 Angehörige infolge der Dienstausübung gestorben — die meisten bei Unfällen, nicht im Gefecht [19]. Verletzungen sind ungleich häufiger. Für 2008 — das letzte Jahrzehnt der Wehrpflicht, mit rund 250.000 Soldaten — weist die Statistik 5.125 in Ausübung des Dienstes Verletzte aus, rund zwei von hundert pro Jahr [20]. Die Grundausbildung ist die verletzungsintensivste Phase des Soldatenberufs: Märsche, Gefechtsdienst, Sport, Schießausbildung. Die Maßnahme schickt im Horizontmittel rund 20.000 zusätzliche Dienstjahre durch genau diese Phase — 7.500 ausgeloste und 12.500 freiwillige (Spanne: 8.000 bis 40.000); weil das Risiko je Jahr im Dienst zählt, sind Dienstjahre der richtige Nenner, nicht Köpfe. Gezählt wird nur, was über das zivile Leben hinausgeht: Ohne den Dienst stünden dieselben jungen Männer in Ausbildung oder Arbeit, mit etwa einem tödlichen Arbeitsunfall je 100.000 und angesetzt einer Verletzung je hundert im Jahr (Spanne: 0 bis 1,5 %). Übrig bleiben etwa 0,8 zusätzliche Tote und rund 200 zusätzliche Verletzte pro Jahr, davon angesetzt 5 % mit bleibenden Schäden (Spanne: 2 bis 10 %), also rund 10. Ein 19-Jähriger, der bei einer Übung stirbt, verliert rund sechzig Lebensjahre (Spanne: 50 bis 62); wer nach einem Marsch mit einer zerstörten Bandscheibe nach Hause geht, trägt sie sein Leben lang — angesetzt wie drei verlorene gesunde Jahre. Für jeden zehnten Toten und Schwerverletzten zählt das Leid der Angehörigen noch einmal wie der Fall selbst. Zusammen sind das rund 53 verlorene Lebensjahre im Jahr plus 190 leichte Verletzungen, auf der Karte 0,05 — ein Zehntel des Musterungsaufwands, aber der schwerste Einzelschaden. Unterstellt ist dabei ein Grundwehrdienst im Inland — im Verteidigungsfall stünde eine ganz andere Rechnung. Der Impact ist sehr klein: wenige Fälle im Jahr — aber sie sind der schwerste Einzelschaden, den die Maßnahme anrichtet, und sie treffen ausschließlich die Dienstleistenden.

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Zusätzliche Dienstjahre im Jahr Setzung, Spanne 8.000–40.000: Erwartungswert der Wehrpflicht plus Zulauf durch den höheren Sold; das Unfallrisiko zählt je Jahr im Dienst, deshalb Dienstjahre, nicht Köpfe [4] 7.500 ausgeloste + 12.500 freiwillige 20.000 Dienstjahre
× Tote im Dienst über das zivile Risiko hinaus 9 Tote bei 181.000 Aktiven 2024; ziviles Gegenrisiko: tödliche Arbeitsunfälle rund 1 je 100.000 Beschäftigte [19] 5 je 100.000 im Dienst − 1 je 100.000 in ziviler Arbeit = 4 je 100.000 0,8 Tote je Jahr
× Verlorene Lebensjahre, mit Angehörigen Restlebenserwartung eines 19-Jährigen (Spanne 50–62), Leid der Angehörigen als jeder zehnte Fall 0,8 × 60 Jahre × 1,1 52,8 Lebensjahre
× In Euro-Äquivalent Lebensjahr-Anker 40.000 € je Lebensjahr 2,11 Mio €
+ Schwerverletzte, mit Angehörigen Verletztenquote 2008 abzüglich Setzung 1 % zivil (Spanne 0–1,5 %); Anteil schwer Setzung, Spanne 2–10 % [20] 20.000 × (2 % − 1 %) = 200 Verletzte über das zivile Risiko hinaus × 5 % schwer = 10 × 1,1 × 120.000 € 1,32 Mio €
+ Leichtverletzte Regelwert des Ankers, ohne Angehörigen-Zuschlag [20] 190 × 6.000 € 1,14 Mio €
= Gesundheitsschaden im Jahr (Spanne 3–9) 4,57 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 0,05
Score 0,05 Impact × 10 Wert × 6 Plausibilität ÷ 10 = 0,3 von 100

Plausibilität

Der Zusammenhang braucht keine Studie: Wer körperlich ausgebildet wird, verunglückt mit einer Rate, die aus der Statistik der Bundeswehr ablesbar ist, und mehr Dienstleistende erzeugen proportional mehr Unfälle. Die Raten selbst sind amtlich [19][20]. Drei Dinge bleiben unsicher. Erstens ist die Verletzungsquote von 2008 die letzte verfügbare Vollreihe aus der Wehrpflichtzeit — seither hat sich die Arbeitssicherheit verbessert, die Zahl dürfte heute niedriger liegen. Zweitens hängt die Zahl der Exponierten daran, ob die Wehrpflicht ausgelöst wird und wie schnell der Aufwuchs gelingt; das steckt in der Spanne der Dienstleistenden. Drittens ist die durchschnittliche Schwere einer „Dienstverletzung“ nirgends ausgewiesen; der Anteil schwerer Fälle ist eine Setzung. Viertens ist das zivile Gegenrisiko eine Setzung: Meldepflichtige Arbeitsunfälle liegen in Deutschland bei gut zwei je hundert Beschäftigte, doch die Definitionen von „Dienstverletzung“ und „Arbeitsunfall“ decken sich nicht — angesetzt ist deshalb die Hälfte des Dienstwerts, in der Spanne von null bis zum vollen. Das Kontrafaktum ist der Aufwuchs im bisherigen Tempo; das Design ist mechanistisch — eine Übertragung gemessener Raten auf eine neue Gruppe, ohne Studie an Wehrdienstleistenden; die eine Störgröße ist die verbesserte Arbeitssicherheit seit 2008, die die Verletztenquote senkt; eine Umkehrkausalität gibt es nicht. Dass die Rechnung in ihrer Größenordnung trägt, trifft in etwa sechs von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist mittel bis hoch: Dass Menschen im Dienst zu Schaden kommen, ist belegt und gezählt — offen ist nur, wie viele es unter dieser Maßnahme sein werden.

evidence_basis: Mechanismus · P-ceiling 6 identifikation: Mechanistisch · Stufen-Deckel 6

Kontrafaktum: Aufwuchs im bisherigen Tempo. Design: mechanistisch — amtliche Raten (Tote 2024, Verletzte 2008) proportional auf 20.000 zusätzliche Dienstjahre übertragen, abzüglich des zivilen Gegenrisikos (Tote 1/100.000, Verletzte 1 % — Setzung), keine Studie an Wehrdienstleistenden. Störgröße: verbesserte Arbeitssicherheit seit 2008, in der Spanne. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(mechanismus offen; bisher 7; mechanistisch 6) = 6.

Mehr Gewalt- und Waffenkriminalität nach dem Dienst

0,1von 100

Drei Studien, die Losverfahren als natürliches Experiment nutzen, finden nach dem Wehrdienst mehr Straftaten — in Argentinien besonders bei Delikten mit Waffen, in Schweden getragen von Dienstleistenden aus benachteiligten Verhältnissen. Eine vierte, australische Studie findet keinen solchen Effekt. Auf die deutsche Fallzahl gerechnet wären es rund 70 zusätzliche Gewaltdelikte im Jahr — ein Effekt am Rand der Sichtbarkeit, für die Opfer aber nicht.

Wert 6 · Kriminalität & FinanzenImpact 0,1Plausibilität 3,5
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Wert

Getroffen werden hier Dritte: Menschen, die mit dem Wehrdienst nichts zu tun haben und Opfer einer Gewalttat werden, die es ohne ihn womöglich nicht gegeben hätte. Eine Körperverletzung kostet Gesundheit, Arbeitszeit und oft dauerhaft das Gefühl von Sicherheit — das wiegt schwer. Zugleich fällt der kleinere Teil des Schadens bei Justiz und Vollzug an: gewöhnliche öffentliche Mittel, die anderswo fehlen. Beide Ströme sind in diesem Argument zusammengefasst, der Schaden an den Opfern ist der schwerere von beiden. Der Wert ist mittel bis hoch: Gesundheit von Menschen, die nichts damit zu tun haben — gemischt mit Kosten, die nur Geld sind.

Impact

Die Frage, ob Waffenausbildung und Zwangsgemeinschaft junge Männer gewaltbereiter machen, ist untersucht — an Losverfahren, also unter Bedingungen, unter denen man Ursache und Wirkung sauber trennen kann. Lindo und Stoecker werteten die Vietnam-Losverfahren aus: Der Militärdienst erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Haftstrafe wegen einer Gewalttat um 0,34 Prozentpunkte — und senkte sie zugleich um 0,30 Prozentpunkte bei Nichtgewalttaten [17]. Galiani, Rossi und Schargrodsky fanden am argentinischen Losverfahren mehr Vorstrafen, „insbesondere bei Delikten mit Waffen“, und zwar auch bei denen, die im Frieden dienten [15]. Hjalmarsson und Lindquist fanden für den schwedischen Friedensdienst mehr Straftaten zwischen 23 und 30 Jahren; der Mechanismus, den sie identifizieren, ist nicht die Waffe, sondern die Gruppe: negative Peer-Effekte während der Dienstzeit, konzentriert bei jungen Männern aus benachteiligten Haushalten und mit Vorgeschichte [16]. Auf Deutschland übertragen: rund 22.500 zusätzliche Menschen pro Jahr, die durch den Dienst gehen — 12.500 Freiwillige und rund 10.000 Ausgeloste, mehr Köpfe als Dienstjahre, weil ein Pflichtdienst im Mittel neun Monate dauert —, angesetzte 0,3 Prozentpunkte zusätzliche Wahrscheinlichkeit einer Gewalttat je Person (Spanne: 0 bis 1,0) — rund 68 zusätzliche Gewaltdelikte jährlich (Spanne: 0 bis 225). Für die Opfer sind das angesetzt 61 leichte und 7 schwere Verletzungen, für Justiz und Vollzug rund 40.000 € je Fall (Spanne: 10.000 bis 100.000 €) samt den Kosten des Eintreibens — zusammen auf der Karte 0,05, etwa so viel wie die Toten und Verletzten im Dienst. Gemessen an über 200.000 registrierten Gewaltdelikten im Jahr ist das ein Effekt, den keine Kriminalstatistik je nachweisen könnte. Für die rund 70 Menschen, die ihn erleiden, ist er trotzdem real. Der Impact ist sehr klein: Der Effekt ist an Losverfahren belegt, aber die deutsche Fallzahl ist zu klein, um in der Gesellschaft sichtbar zu werden.

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Zusätzliche Menschen im Dienst je Jahr Setzung, Spanne 8.000–40.000: dieselbe Menge wie in con-4, hier aber als Köpfe, weil die Folge nach dem Dienst je Person anfällt; Dienstdauer 9 Monate wie in con-7 [4] 12.500 Freiwillige + 10.000 Ausgeloste (7.500 Dienstjahre ÷ 0,75 Jahre) 22.500 Personen
× Zusätzliche Gewaltdelikte im Jahr (Spanne 0–225) Setzung, Spanne 0–1,0: Lindo/Stoecker +0,34 Prozentpunkte Haft wegen Gewalttat [15][16][17] 0,3 Prozentpunkte je Person 67,5 Delikte
× Verletzungen der Opfer, mit Angehörigen Setzung: jedes zehnte Gewaltdelikt schwer; Leid der Angehörigen bei Schwerverletzten 61 leicht × 6.000 € + 7 schwer × 1,1 × 120.000 € 1,26 Mio €
+ Justiz und Vollzug Setzung, Spanne 10.000–100.000 € je Fall: Ermittlung, Verfahren, bei Verurteilung Haft; 25 Cent Zusatzlast je Steuereuro 67,5 × 40.000 € × 1,25 3,38 Mio €
= Schaden im Jahr (Spanne 0–16) 4,63 Mio €
÷ Normalised Impact Maßstab dieser Seite 100 Mio € je Punkt 0,05
Score 0,05 Impact × 6 Wert × 3,5 Plausibilität ÷ 10 = 0,1 von 100

Plausibilität

Vier Auswertungen, drei davon an Losverfahren — und sie sind sich nicht einig. Argentinien, Vietnam und Schweden finden den Effekt [15][16][17]. Australien findet ihn nicht: Siminski, Ville und Paull werteten die australischen Vietnam-Losverfahren aus und schließen mit 95 % Konfidenz jeden Gewalteffekt oberhalb von 3,6 % über dem Mittelwert aus [18]. Für Dänemark findet eine weitere Arbeit sogar weniger Eigentumsdelikte bei Vorbestraften. Die kontextnächste Studie ist die schwedische: Friedensdienst, moderne Jahrgänge, kurze Dienstzeit — sie findet den Effekt. Aber Deutschland 2026 unterscheidet sich von allen vier Fällen: kürzerer Dienst, anderes Auswahlverfahren, andere Rekrutierungsbasis. Das Kontrafaktum der tragenden Studien sind nicht gezogene Männer derselben Jahrgänge; das Design ist quasi-experimentell — Losverfahren als Zufallszuweisung (Galiani et al., Lindo/Stoecker), in Schweden ein Schwellenvergleich an der Tauglichkeitsgrenze; die eine Störgröße wäre die Selbstauswahl Gewaltbereiter in den Dienst, die das Los ausschließt; eine Umkehrkausalität scheidet damit aus. Und die Gegenrichtung ist ausdrücklich nicht gegengerechnet: Dass der Dienst während seiner Dauer Kriminalität unterbindet und Nichtgewalttaten senkt, würde diesen Posten weiter verkleinern. Die Richtung ist gestützt, die tragende Größe — wie viel davon in Deutschland ankommt — hat mit Australien einen sauberen Befund gegen sich: Dass der Effekt hier in dieser Größe eintritt, trifft in etwa einem von drei vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität ist niedrig: Drei saubere Studien finden den Effekt, eine ebenso saubere findet ihn nicht — und keine davon hat den deutschen Wehrdienst von 2026 untersucht.

evidence_basis: Studie · P-ceiling 4 identifikation: Quasi-experimentell · Stufen-Deckel 8 befundband: Tragendes Glied bestritten · P 3,5–4

Kontrafaktum: nicht gezogene Männer derselben Jahrgänge. Design: quasi_experimentell — Losverfahren als Zufallszuweisung (Galiani/Rossi/Schargrodsky 2011, Lindo/Stoecker 2014, Siminski et al. 2016), Schweden Schwellenvergleich (Hjalmarsson/Lindquist 2019). Störgröße: Selbstauswahl Gewaltbereiter, durch das Los ausgeschlossen. Richtung: keine Umkehrkausalität. Deckel: min(studie 9; bisher 4; quasi_experimentell 8) = 4.

Richtung gestützt (drei Losverfahren-Studien), aber das mengentragende Glied — die Effektgröße in einem kurzen Friedensdienst — hat mit Siminski et al. (Australien, Null mit enger Schranke) einen Befund gegen sich [18]. Gleicher Ergebnisbegriff: Gewaltdelikte nach dem Dienst. Rückleseprobe: trifft in etwa einem von drei Fällen zu.

Offen: Eine Auswertung des schwedischen oder eines anderen modernen Friedensdienstes mit kurzer Dienstzeit, die den Gewalteffekt bei Losverfahren bestätigt, würde P bis an den Deckel von 4 heben.

Summary

Das Problem ist echt: Die Bundeswehr wächst um rund 3.600 Soldaten im Jahr und verfehlt bei diesem Tempo ihre Zielstärke von 260.000 bis 2035 um rund 40.000 [4]; seit 2011 weiß der Staat zudem nicht mehr, wer im Ernstfall verfügbar und tauglich wäre [2]. Die Maßnahme löst den zweiten Teil davon — Musterung und Wehrerfassung kehren zurück —, den ersten nur, wenn der Bundestag die Wehrpflicht tatsächlich auslöst, was ein eigenes Gesetz verlangt. Der tragende Nutzen liegt aber gar nicht in den Köpfen selbst, sondern in dem Krieg, den sie verhindern sollen — und genau dort ist nichts belegt: Es gibt keine Messung, wie stark 40.000 zusätzliche Soldaten die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs senken, und ob der Engpass eher beim Material oder beim Personal liegt, ist umstritten: Der Wehrbeauftragte nennt marode Infrastruktur und fehlendes Material [6], das Kiel Institut das Personal [29]. Was dagegen steht, ist kleiner, aber sicherer, und es liegt anders, als der Haushalt es zeigt: Der Bund gibt rund 1 Mrd € im Jahr aus [2], doch das meiste davon ist Sold, der als Einkommen bei jungen Leuten ankommt — was die Volkswirtschaft wirklich verliert, ist das zivile Jahr von rund 12.500 zusätzlichen Freiwilligen, dazu bei ausgelöster Wehrpflicht der erzwungene Dienst von im Erwartungswert 7.500 Dienstjahren — rund 10.000 jungen Männern — jährlich, sechs bis zwölf Monate unter Befehl, ausgelost, nicht gewählt, und für sie nach mehreren Studien ein dauerhafter Lohnnachteil, den die deutsche Studie allerdings nicht findet [9][11][16]. Der Dienst ist dabei auch körperlich gefährlich: Rein rechnerisch kostet er unter den zusätzlichen Dienstleistenden, über das zivile Unfallrisiko hinaus, knapp einen Toten und rund 200 Verletzte pro Jahr [19][20]. Dass Wehrpflicht die Gesellschaft messbar gewalttätiger macht, lässt sich dagegen nicht belegen: Drei Losverfahren-Studien finden mehr Gewalt- und Waffendelikte nach dem Dienst, eine ebenso saubere findet nichts [15][17][18] — und die deutsche Fallzahl wäre zu klein, um sichtbar zu werden. Damit ist die Abwägung von der Sorte, bei der eine Seite groß klingt, aber unwahrscheinlich und unbelegt ist, und die andere aus mehreren mittleren, bezifferbaren Posten besteht. Ein Krieg mit deutscher Beteiligung ist nach den Nachrichtendiensten unwahrscheinlich, sein Schaden in Deutschland bestünde zu über 95 Prozent aus verlorener Wirtschaftsleistung, und dem Wehrdienst lässt sich nur ein kleiner Teil seiner Abwendung zurechnen — für die Verbündeten, deren Schutz er über die Bündniszusagen mitträgt, noch weniger [23][24][32]. Die Bilanz fällt deutlich negativ aus; selbst mit einem fünfmal größeren Anteil an der Abschreckung bliebe sie negativ.

Ausblick — Wirkung über die Zeit

Deutlich schlechter für die Zukunft · 0,09 alter Maßstab
heute Δ −23,5 F1 — mit Neuer Wehrdienst F0 — Baseline ohne Maßnahme +5 Jahre +10 Jahre Normalised Impact → F0 konstant als Referenz · F1 über/unter F0 = positive/negative Nettowirkung · Δ = Nettoscore Band = Erwartungsbereich — reicht es unter F0, ist auch eine negative Wirkung plausibel Kurvenform und Höhe illustrativ · y-Achse bewusst ohne Skala

Quellen

  1. Deutscher Bundestag: Bundestag stimmt für neues Wehrdienstgesetz (05.12.2025), einschließlich der öffentlichen Anhörung des Verteidigungsausschusses vom 10.11.2025. bundestag.de
  2. Deutscher Bundestag: Gesetzentwurf der Bundesregierung: Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (Drucksache 21/1853, 29.09.2025) — Haushaltsausgaben und Erfüllungsaufwand. dserver.bundestag.de
  3. Augen geradeaus!: Gesetz für „Neuen Wehrdienst“ steht: Aufwuchspfad (§ 91), Bedarfswehrpflicht mit Zufallsverfahren (§ 2a), Pflicht-Musterung, Wehrsold und Führerscheinzuschuss (03.12.2025). augengeradeaus.net
  4. Bundeswehr: Personalzahlen der Bundeswehr (Quelle BMVg A I 1, Stand 31.05.2026). bundeswehr.de
  5. BMVg: Positiver Personaltrend der Bundeswehr hält im Jahresvergleich an (17.03.2026): 16.100 Bewerbungen, +20 % gegenüber Vorjahr. bmvg.de
  6. ZDFheute: Wehrbeauftragter sieht Freiwilligkeit mit „Skepsis“ — Jahresbericht 2025 von Henning Otte (03.03.2026). zdfheute.de
  7. ifo Institut (Panu Poutvaara): Höhere Wehrdienst-Gehälter besser als Wehrpflicht (20.03.2025): Wehrpflicht 3,2 Mrd € Staatsausgaben und 17,1 Mrd € volkswirtschaftliche Kosten gegenüber 7,7 bzw. 9,4 Mrd € bei Marktlöhnen. ifo.de
  8. Poutvaara / Wagener: The Political Economy of Conscription (CESifo Working Paper 2821) — Humankapitalverluste und Fehlallokation von Talenten. ifo.de
  9. Hubers / Webbink: The long-term effects of military conscription on educational attainment and wages, IZA Journal of Labor Economics 4:10 (2015). link.springer.com
  10. Card / Cardoso: Can Compulsory Military Service Raise Civilian Wages? Evidence from the Peacetime Draft in Portugal, American Economic Journal: Applied Economics 4(4), 2012. aeaweb.org
  11. Bauer / Bender / Paloyo / Schmidt: Evaluating the Labor-Market Effects of Compulsory Military Service (IZA Discussion Paper 4535; European Economic Review 56, 2012) — Lohnvorteil verschwindet nach Selektionskorrektur. docs.iza.org
  12. Der Tagesspiegel: Musterung ist zurück: Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt (27.04.2026, nach Angaben des BAFzA): 2024: 2.998; 2025: 3.867; 1. Quartal 2026: 2.656. tagesspiegel.de
  13. Bundesregierung: NATO-Gipfel Den Haag 2025: mindestens 3,5 % des BIP für Kernverteidigung und bis zu 1,5 % für Infrastruktur und Resilienz bis 2035. bundesregierung.de
  14. Deutscher Bundestag: heute im bundestag 360/2025: Etat 2026 — Verteidigungsausgaben von 108,2 Mrd €, militärische Beschaffung 47,88 Mrd €. bundestag.de
  15. Galiani / Rossi / Schargrodsky: Conscription and Crime: Evidence from the Argentine Draft Lottery, American Economic Journal: Applied Economics 3(2), 2011 — mehr Vorstrafen nach dem Dienst, insbesondere bei Waffendelikten, auch in Friedenskohorten. aeaweb.org
  16. Hjalmarsson / Lindquist: The Causal Effect of Military Conscription on Crime, The Economic Journal 129(622), 2019 — Schweden, Friedensdienst, moderne Kohorten: mehr Straftaten und niedrigere Einkommen, getragen von Dienstleistenden aus benachteiligten Haushalten. academic.oup.com
  17. Lindo / Stoecker: Drawn into Violence: Evidence on „What Makes a Criminal“ from the Vietnam Draft Lotteries, Economic Inquiry 52(1), 2014 — +0,34 Prozentpunkte Haft wegen Gewalttat, −0,30 Prozentpunkte wegen Nichtgewalttat. onlinelibrary.wiley.com
  18. Siminski / Ville / Paull: Does the military turn men into criminals? New evidence from Australia's conscription lotteries, Journal of Population Economics 29(1), 2016 — kein Gewalteffekt; Effekte über 3,6 % mit 95 % Konfidenz ausgeschlossen. link.springer.com
  19. Statista / Bundeswehr: In Ausübung des Dienstes getötete Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr (2024: 9); insgesamt rund 3.000 seit 1955, überwiegend bei Unfällen. de.statista.com
  20. Statista / Bundeswehr: In Ausübung des Dienstes verletzte Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr (2008: 5.125 bei rund 250.000 Aktiven). de.statista.com
  21. Der Tagesspiegel: Ukraine als Vorbild in der Kriegsführung: So passt sich die Bundeswehr an die Drohnen-Revolution an — ukrainische Kommandeure zu den Fähigkeitslücken der Bundeswehr. tagesspiegel.de
  22. Weltbank / Regierung der Ukraine / EU / UN: Updated Ukraine Recovery and Reconstruction Needs Assessment (RDNA4, 25.02.2025): 524 Mrd US-$ Wiederaufbaubedarf über das nächste Jahrzehnt, Stand 31.12.2024. worldbank.org
  23. Forsvarets Efterretningstjeneste (Dänemark): Assessment of the threat from Russia (24.09.2026): begrenzter Angriff „geringes, aber wachsendes Risiko“, Invasion eines NATO-Landes „höchst unwahrscheinlich“. fe-ddis.dk
  24. Kiel Institut für Weltwirtschaft: The Price of War (Kiel Working Paper 2262): Kriegsschauplatz −30 % Wirtschaftsleistung nach fünf Jahren, Nachbarland rund −10 %. kielinstitut.de
  25. Weltbank / Regierung der Ukraine / EU / UN: Ukraine Rapid Damage and Needs Assessment (RDNA5), Tab. 1: direkter Sachschaden 195,1 Mrd US-$ nach 46 Monaten. documents1.worldbank.org
  26. UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine (OHCHR): Four Years On — 16.431 getötete und 48.613 verletzte Zivilisten, verifiziert, 02/2022–06/2026. ukraine.ohchr.org
  27. Center for Strategic and International Studies (CSIS): Russian Blood and Treasure: Ballooning Costs of Putin's War — Verlustschätzungen, rund 0,3 Tote je verwundetem oder vermisstem Soldaten. csis.org
  28. Eurostat: Bevölkerung am 1.1.2026 (tps00001) und BIP 2025: baltische Staaten 6,09 Mio Einwohner / 169,2 Mrd €, Polen 36,33 Mio / 922,9 Mrd €, Deutschland 4.529,7 Mrd €. ec.europa.eu
  29. Kiel Institut für Weltwirtschaft: Kiel Report: Fit for war? — der Engpass europäischer Verteidigung ist „personnel, not production“ (S. 80–81). kielinstitut.de
  30. Reuters (über Honolulu Star-Advertiser): Germany prepares for 1,000 wounded troops a day in Russia conflict scenario (22.09.2025) — Planungsgröße des Sanitätsdienstes. staradvertiser.com
  31. BMVg: NATO-Treffen: Beschluss neuer Fähigkeitsziele (05.06.2025) — 50.000 bis 60.000 zusätzliche aktive Soldaten. bmvg.de
  32. Bundeswehr: Brigade Litauen: 4.800 Soldaten bis Ende 2027, vier Fünftel der Posten mit Freiwilligen besetzt (14.09.2026). bundeswehr.de
  33. Reiter, D. & Poast, P.: The Truth About Tripwires: Why Small Force Deployments Do Not Deter Aggression (Texas National Security Review 4/3, 2021). tnsr.org
Zuletzt geprüft von Claude Opus 5.5 · 24. September 2026 · 6× KI, 1× Mensch
  1. 24. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5.5neu bewertet

    Abschreckung geteilt und neu hergeleitet: zwei Ereignisse (begrenzter Angriff 20 %, Invasion 5 % in zehn Jahren, DDIS), nur Schaden in Deutschland (Wirtschaft V 5, Menschen V 10), Bündnisbereitschaft als eigene Argumente mit halbem Anteil und P 3; Weltbank-Bedarf durch Schaden ersetzt; r 0,24 → 0,09, schlechter → deutlich schlechter.

  2. 14. September 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1neu bewertet

    Gesamtprüfung 08.09. umgesetzt: con-3 200.000 statt 300.000 Musterungen, 15 min Fragebogen, Wegezeit (i 0,074→0,051); w bei Wertschöpfung entfernt (pro-2 0,16→0,14, con-6 0,281→0,188, con-7 0,287→0,255, Köpfe statt Dienstjahre); pro-1 Zeitprofil wie con-1 (0,24→0,192); con-4 Delta zum zivilen Risiko; NL-Studie 1979 statt 1996. r 0,25→0,24.

  3. 6. September 2026KI-PrüfungClaude Opus 5Record aktualisiert

    i_spanne an allen 9 Argumenten (vier hingen an geteilten Parametern — die stehen jetzt als Szenarien im Hinweis), zwei Eintrittsgruppen, kein gegenbein (Sold ist genettet), massstab_hinweis ohne r. Kategorie bleibt Schlechter (P(D>0) 0,20). Befund: con-1/con-2/con-6 beschreiben sich im P-Text als definitorisch, sind aber mechanistisch gebucht — als definitorisch fiele die Debatte auf 0,001.

  4. 5. September 2026KI-PrüfungClaude Fable 5.1neu bewertet

    Rechenweg, Normalisierung (außer pro-1: Kriegsschaden ohne Anker) und Identifikation an allen 9 Argumenten; con-1 in Lebenszeit (con-1), ziviles Jahr der Freiwilligen (con-6, neu) und Lohnnachteil (con-7, neu) getrennt; Sold als Transfer an junge Haushalte (w 1,5) in con-2 genettet, deshalb con-2 I 1,0→0,20; r 0,165→0,246. Offen: Gewicht 1,5 der Dienstleistenden (Scharnier).

  5. 30. August 2026KI-PrüfungClaude Opus 5neu bewertet

    Anker für erzwungene Prozeduren aufgenommen (50 €/h); Musterung als angeordnete körperliche Untersuchung bewertet statt als gewöhnliche Zeit, Fragebogen weiter über die Personenstunde.

  6. 12. Juli 2026KI-Prüfung, menschlich freigegebenClaude Opus 4.8Erstbewertung

Bewertungen entstehen KI-gestützt und werden turnusmäßig auf neue Entwicklungen geprüft; menschliche Durchgänge sind eigens ausgewiesen.Wie wir prüfen →

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