Bessere Leistungen der schwächeren Hälfte
Die stärkste deutsche Untersuchung dazu misst den Gewinn genau. Zwei zusätzliche Jahre gemeinsamen Unterrichts in den Jahrgängen 5 und 6 verbessern die Leistungen der Nichtgymnasiasten um 0,17 Einheiten in Mathematik und 0,24 im Lesen [11]. Eine Einheit ist dabei der Abstand zwischen einem durchschnittlichen und einem deutlich überdurchschnittlichen Ergebnis. Der Gewinn geht fast vollständig auf die Leistungsschwachen zurück. Sachsen-Anhalts Sekundarschule unterrichtet die Jahrgänge 5 und 6 bereits gemeinsam und trennt ab Klasse 7 nach Abschlüssen [6]; die Gemeinschaftsschule verlängert das gemeinsame Lernen bis Klasse 10 — gemessen ist die Wirkung der ersten zwei Jahre, nicht der späteren.
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Wert
Betroffen sind Bildungschancen, also die Frage, welche Wege einem Kind später offenstehen. Wer die Schule mit schwachen Kompetenzen verlässt, trägt das ein Leben lang. Das wiegt schwerer als ein Geldbetrag und berührt die Existenzgrundlage der Betroffenen. Der Wert liegt zwei Stufen über dem Mittel.
Impact
In Sachsen-Anhalt besuchen 41.859 Kinder eine Sekundarschule und 17.907 eine Gemeinschaftsschule; die Gemeinschaftsschule wächst schon ohne Zutun um 1,7 Prozent im Jahr [3]. Angesetzt ist, dass mit dem Ausbau am Ende der Wahlperiode rund 12.000 Schülerinnen und Schüler zusätzlich an Gemeinschaftsschulen lernen, also rund 2.400 je Jahrgang (Spanne: 1.000 bis 4.000). Die Umstellung greift nicht ab dem ersten Tag: Im Mittel der Wahlperiode 2026 bis 2031 ist sie zu rund 60 Prozent umgesetzt (Spanne: 40 bis 80 Prozent), das sind rund 1.440 Kinder je Jahrgang. Was sie gewinnen, ist nicht eins zu eins gemessen: Die Untersuchung findet rund 0,2 Einheiten für zwei zusätzliche gemeinsame Jahre in den Klassen 5 und 6 [11] — die hat die Sekundarschule des Landes schon, sie trennt erst ab Klasse 7 nach Abschlüssen [6]. Die Gemeinschaftsschule verlängert das gemeinsame Lernen um bis zu vier weitere Jahre, 7 bis 10; für diese späteren Jahre ist derselbe Mechanismus — leistungsstärkere Mitschüler, kein früher Stempel — anzunehmen, aber mit abnehmender Wirkung je Jahr, denn die Gemeinschaftsschule unterscheidet sich von der Sekundarschule vor allem darin, dass sie ab Klasse 7 nicht nach Abschlüssen trennt. Angesetzt ist die Hälfte des gemessenen Werts, 0,1 Einheiten (Spanne: 0 bis 0,2). Eine Einheit Kompetenz bringt in Deutschland 23,5 Prozent mehr Verdienst [25]; bei den 1,5 Millionen Euro, die ein Mensch hier im Durchschnitt über sein Erwerbsleben verdient, sind das rund 350.000 Euro je Einheit und rund 35.000 Euro je Kind — derselbe Satz für alle Kinder dieser Bewertung, ob sie ein Gymnasium besuchen oder nicht. Für einen Jahrgang von 1.440 Kindern sind das rund 51 Millionen Euro Lebensvorsprung, dem Jahr zugerechnet, in dem der Jahrgang die Gemeinschaftsschule betritt (Spanne: 0 bis 170 Millionen). Verdient wird das Geld erst Jahrzehnte später; gekürzt wird es deshalb nicht — ein später verdienter Euro zählt auf dieser Seite so viel wie ein heutiger. Ob der Vorsprung bis ins Erwerbsleben hält, ist nicht gemessen; ein Abschlag dafür ist nicht angesetzt, weil die Reform den Bildungsweg selbst verändert und nicht nur einen Testwert — der Zweifel steht in der Plausibilität. Dass der Gewinn bei den Leistungsschwachen aus einkommensschwachen Haushalten anfällt, trägt der Wert, nicht die Zahl: Ihr Euro zählt hier mit 1. Der Impact ist für diese Bewertung der größte: wenige Tausend Kinder je Jahrgang, aber eine Wirkung über das ganze Erwerbsleben.
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Plausibilität
Die deutsche Untersuchung vergleicht fünf Länder mit dreigliedrigem und sieben mit zweigliedrigem System auf Basis des Nationalen Bildungspanels [11]. Sie findet den Gewinn fast vollständig bei den Leistungsschwachen, im untersten Viertel bis zu rund 0,5 Einheiten, und keine Verluste für stärkere Gruppen [11]. Die internationale Vergleichsstudie stützt die Richtung: Frühe Aufteilung erhöht die Leistungsstreuung in jedem untersuchten Land außer einem [10]. Die Übertragung von Kompetenzgewinnen auf Einkommen ist eine Rechenkonvention. Und der Vergleich misst eine andere Stufe: zwei gemeinsame Jahre in den Klassen 5 und 6 gegenüber früher Trennung — genau die Stufe, die Sachsen-Anhalts Sekundarschule schon hat [6]; was die Gemeinschaftsschule zusätzlich bringt, die gemeinsamen Jahre 7 bis 10 neben einem fortbestehenden Gymnasium, hat niemand gemessen [17][3]. Trägerquelle ist Matthewes 2021 mit einem Differenz-in-Differenzen-Vergleich: Der Lernzuwachs von der Grundschule bis Klasse 7 wird zwischen Ländern mit früher und späterer Aufteilung verglichen, das Kontrafaktum sind die Nichtgymnasiasten der dreigliedrigen Länder [11]. Die naheliegende Störgröße — Länder mit späterer Aufteilung unterscheiden sich auch sonst — fängt das Design über den Grundschulstand als Ausgangswert ab; eine umgekehrte Wirkung scheidet aus, weil die Schulstruktur vor der Leistung feststeht. Für den Zuschnitt dieses Vorschlags ist das Design deshalb mechanistisch: Die gemessene Wirkung der Klassen 5 und 6 wird über denselben Mechanismus auf die späteren Jahre übertragen. Was fehlt, ist der Beleg, dass die späteren gemeinsamen Jahre überhaupt so wirken wie die frühen — und der Berliner Fall, der die nichtgymnasialen Bildungsgänge ab Klasse 7 zusammengelegt hat, zeigt dort stabile, nicht bessere Leistungen [13]. Die angesetzte Wirkung trifft in etwa vier von zehn vergleichbaren Fällen zu. Die Plausibilität liegt knapp unter der Mitte: Die Studie trägt die Richtung für die frühen gemeinsamen Jahre, für die späteren ist sie übertragen, nicht gemessen.
Kontrafaktum: Nichtgymnasiasten an der Sekundarschule, die ab Klasse 7 nach Abschlüssen trennt [6]. Design: mechanistisch — die Wirkung ist quasi-experimentell nur für zwei gemeinsame Jahre in den Klassen 5 und 6 gemessen (Differenz-in-Differenzen über Länder mit früher und späterer Aufteilung, Matthewes 2021 [11]); diese Jahre hat die Sekundarschule schon, F1 fügt die Jahre 7–10 hinzu, und deren Wirkung ist über denselben Mechanismus übertragen. Störgröße: ob spätere gemeinsame Jahre noch wirken — der Berliner Fall zeigt an den nichtgymnasialen Schulen stabile Leistungen [13]. Richtung: keine Umkehrkausalität — die Struktur steht vor der Leistung fest. Größe (0,1 statt 0,2 Einheiten) in der Menge, das Ob in P.
Richtung gestützt für die frühen gemeinsamen Jahre (Matthewes [11], internationale Vergleichsstudie [10]); das mengentragende Glied — dass gemeinsames Lernen in den Klassen 7 bis 10 zusätzlich wirkt — ist nicht gemessen und hat mit Berlin einen Befund gegen sich: stabile, nicht bessere Leistungen an den nichtgymnasialen Schulen nach der Zusammenlegung ab Klasse 7 [13]. Gleicher Ergebnisbegriff: Kompetenz der Nichtgymnasiasten. Rückleseprobe: etwa vier von zehn Fällen.
Offen: Ein Vergleich der Kompetenzentwicklung in den Klassen 7 bis 10 zwischen Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen Sachsen-Anhalts bei gleichem Stand in Klasse 6 würde das Glied entscheiden und P auf 5 bis 6 heben.