Ausgebildete statt Seiteneinsteiger
Angesetzt sind 500 Eintritte im Jahr ab 2027/28; weil die erste Kohorte erst 2031/32 fertig ist, stehen im Mittel der zehn Jahre rund 525 zusätzlich qualifizierte Lehrkräfte statt Seiteneinsteigern vor Klassen, mit rund 6.000 Schülerjahren und einem Vorsprung von 0,03 Standardabweichungen — in Lebenseinkommen rund 42 Mio. € im Jahr. Dass Ausgebildete messbar besser abschneiden als Seiteneinsteiger, ist allerdings schwächer belegt als gedacht.
▸ Begründung & Quellen anzeigen ▾ Begründung & Quellen ausblenden
Wert
Der Strom betrifft die Qualität des Unterrichts und damit die Ausgangslage für den weiteren Bildungsweg. Er steht in derselben Reihe wie die übrigen Bildungsmaßnahmen dieser Datenbank und wird bewusst mit demselben Gewicht bewertet, damit sich Vorschuljahr, Handyverbot, Startchancen und Lehrkräfteausbildung direkt vergleichen lassen. Der Wert ist sehr hoch: Unterrichtsqualität als Grundlage des Bildungswegs.
Impact
Die Ausgangszahl ist drastisch: Zum Schuljahr 2026/27 waren 3.700 Stellen vakant, und bis zum 1. Juli konnten davon nur knapp 800 mit vollqualifizierten Lehrkräften besetzt werden — unter 30 % [2]. Den Rest tragen 2.500 Seiteneinsteiger, 1.570 Studierende, 240 weiterarbeitende Ruheständler und 570 Kräfte anderer Berufsgruppen. Eine duale Ausbildung soll daraus wieder strukturierte Qualifikation machen [1]. Angesetzt sind 500 Eintritte im Jahr, mit einer Spanne von 150 bis 1.200 — das BSW nennt keine Zielgröße. Davon gelten 70 % als zusätzlich qualifizierte Lehrkräfte, die sonst Seiteneinsteiger oder gar nicht Lehrkraft geworden wären (Spanne 50 bis 90 %); die übrigen 30 % hätten regulär studiert und wären abgewandert, sie stehen im Bindungsargument. Die Zeit ist der zweite Abschlag: Bei Studienbeginn 2027/28 und vier Ausbildungsjahren ist die erste Kohorte 2031/32 fertig, im Mittel der zehn Jahre stehen deshalb 1,5 Jahrgänge im Dienst, rund 525 Lehrkräfte. Bei rund 35.000 Lehrkräften und 404.019 Schülerinnen und Schülern entfallen rechnerisch 11,5 Schüler auf eine Lehrkraft [3][5], also rund 6.000 Schülerjahre. Der Vorsprung gegenüber einem Seiteneinsteiger ist mit 0,03 Standardabweichungen je Schülerjahr angesetzt, mit einer Spanne von null bis 0,06: In New York lagen die Unterschiede zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Lehrkräften bei wenigen Hundertsteln einer Standardabweichung und schrumpften mit der Berufserfahrung [9]. Von einem solchen Jahresgewinn bleiben bis ins Erwerbsleben rund 65 %, mit einer Spanne von 40 bis 100 % [8]; eine bleibende Standardabweichung Kompetenz ist über ein Berliner Erwerbsleben 358.000 € wert [6][7]. Das ergibt rund 42 Mio. € im Jahr, einen Normalised Impact von rund 8,4 — etwas mehr, als die Kräfte in Ausbildung auf der Gegenseite an Rückstand tragen, und anderthalbmal so viel wie die doppelte Besetzung während der Ausbildung. Der Impact ist sehr klein, aber der größte Posten dieser Bewertung.
▸ Rechenweg anzeigen ▾ Rechenweg ausblenden
Plausibilität
Hier liegt eine Überraschung, die man kennen muss: Dass ausgebildete Lehrkräfte messbar bessere Schülerleistungen erzielen als Seiteneinsteiger, ist in der Forschung schwächer belegt, als es die Debatte nahelegt. Kane, Rockoff und Staiger verglichen 2008 in New York zertifizierte, alternativ zertifizierte und unzertifizierte Lehrkräfte über sechs Jahre und finden höchstens kleine Unterschiede im Mittel — die Streuung innerhalb jeder Gruppe ist um ein Vielfaches größer als die zwischen den Gruppen [9]. Kontrafaktum sind dort Schülerinnen und Schüler derselben Schulen bei Lehrkräften anderer Zertifizierung; das Design ist kontrolliert, mit Schul-Fixed-Effects, aber ohne exogene Zuweisung. Die Störgröße — dass Schulen mit vielen unzertifizierten Kräften zugleich schwierigere Schülerschaften haben — ist über die Schuleffekte behandelt; eine Umkehrkausalität (Leistung vor Zertifizierung) ist ausgeschlossen. Für den Ansatz spricht, dass Berlin nicht über gut ausgewählte Quereinsteiger redet, sondern über eine Notlage: Die Zahl der Quereinstiegsanträge ist von 580 auf 380 gefallen [2], die Auswahl wird also enger. Wer aus einem schrumpfenden Bewerberfeld einstellt, bekommt im Mittel schwächere Kräfte als aus einer strukturierten Ausbildung. Die Größe des Vorsprungs steht mit ihrer Spanne in der Menge; hier steht nur, ob er überhaupt eintritt. Rückleseprobe: Ein messbarer Vorsprung der Ausgebildeten tritt in etwa jedem dritten vergleichbaren Fall ein. Die Plausibilität ist niedrig: plausibler Mechanismus, überraschend dünne Beleglage.
Kontrafaktum: Schülerinnen und Schüler derselben New Yorker Schulen bei Lehrkräften anderer Zertifizierung (Kane/Rockoff/Staiger 2008 [9]). Design: kontrolliert — Vergleichsgruppen mit Schul-Fixed-Effects, ohne exogene Zuweisung. Störgröße: Schulen mit vielen unzertifizierten Kräften haben schwierigere Schülerschaften, über die Schuleffekte behandelt. Richtung: Zertifizierung vor Leistung, keine Umkehrkausalität. Doppelbuchung geprüft: Die Spanne 0–8,4 Punkte trägt die Größe des Vorsprungs, das Band die Frage, ob er messbar eintritt; der bestehende Deckel 5 liegt unter dem Stufen-Deckel 7 und bindet.
Richtung gestützt (strukturierte Ausbildung, enger werdendes Bewerberfeld), aber das mengentragende Glied — dass Zertifizierung messbar bessere Schülerleistungen bringt — hat den New Yorker Befund gegen sich: höchstens kleine Unterschiede, die mit der Erfahrung schrumpfen [9]. Gleicher Ergebnisbegriff: Testleistung. Rückleseprobe: etwa drei von zehn Fällen.
Offen: Ein Leistungsvergleich von Klassen bei dual ausgebildeten Lehrkräften und bei Seiteneinsteigern an denselben Berliner Schulen (etwa VERA-Daten mit Schul-Fixed-Effects) würde P auf 5 heben.